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                                 GERMAN COUNCIL . MARKTPLATZ – ADVERTORIAL First Christmas
»Schafft wieder lebendige Marktplätze! – dann gehen auch die Besucherzahlen wieder hoch!«
In Amerika spricht man von der »Retail Apokalyse«, 25 Prozent der Malls werden danach in den nächsten Jahren schließen. Und sie reden vom »Urban Decay«, dem Verfall der Städte.
Dr. Kersten Rosenau, CEO von First Christmas und Retail Emotions und Regionalbotschafter
des German Councils of Shopping Centers, beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Einzelhandel. Welche Strategie empfiehlt er?
  Täglich lesen wir über Frequenzrückgänge in Einkaufscentern und sogar 1A-Lagen, un- längst zum Beispiel bei der Spitalerstraße in Hamburg: in vier Jahren minus 27 Prozent. Die Mieten für große Flächen gehen dort um 20 Prozent runter. Bekommen wir dead ci- ties und dead malls? Ist der stationäre Han- del so etwas wie ein »dead man walking«? Ich halte es da mit Heidi O´Neill, der Präsi- dentin von Nike Direct, die sagt: »Der Einzel- handel ist nicht tot, nur langweiliger Einzel- handel ist tot!« Warum soll ich in die Stadt oder ins Center fahren, fürs Parken zahlen, lange suchen, viel Zeit aufwenden, vieles auch nicht finden – wenn mir wirklich nur Ein- kaufen geboten wird, meist auch noch stres- sig, günstigsten Falls langweilig. Und das, da ich jetzt eine Alternative habe: daheim vom Sessel aus, bei einem kühlen Getränk, und da- bei im Grunde alles Alles bekomme, was die
Welt zu bieten hat, im Zweifel auch noch günstig – mit einem Mausklick!
Aber die Menschen haben doch Zeit, müs- sen die irgendwo verbringen!
Klar, aber dann gehen sie eben ins Kino, zum Bowling, in den Zoo oder ins Fitnesscenter, in den Freizeitpark oder schlicht in die Natur, treffen Freunde zum Brunchen – da gibt es genug Möglichkeiten, so ist es ja nicht. Ge- schäfte, in denen man nur Ware kaufen kann, die stehen wirklich zur Disposition. Und ganz besonders in langweiligen Städ- ten, die sonst nichts bieten.
Wie kann denn der stationäre Einzelhandel wieder spannend werden?
Jedenfalls nicht durch self-scanning, dann spart man vielleicht ein paar Minuten, aber wird´s dadurch spannend? Man nimmt die
Zeitersparnis mit, aber das war´s. Ich be- weifle auch, dass es hilft, wenn das gesamte Angebot des Centers oder von mir aus auch der ganzen Stadt online ist. Amazon & Co. sind immer größer. Wir müssen wieder die Menschen in den Mittelpunkt stellen, nach ihren Bedürfnissen fragen. Die Einkaufscen- ter in den USA beruhten auf dieser Idee.
Sie spielen auf Victor Grün an?
Ja, klar, von dem wir heute noch lernen kön- nen – und müssen! Er kam Ende der 1930er Jahre aus Wien in die USA. Was er dort ver- misste, waren aber nicht Geschäfte, die hat- ten die Amerikaner schon. Er vermisste die Marktplätze der europäischen Städte, Orte, wo das Leben pulsierte, Treffpunkte für Jung und Alt, wo man klönte und diskutierte, staunte und lachte, flirtete und schimpfte, wo man Unterhaltung fand und Spaß hatte,
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© Anna Lena Ehlers, Hamburg



















































































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