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GERMAN COUNCIL . VOR ORT
 Eine spannende Diskussionsrunde mit (v.l.): Ralf-Peter Koschny CRE FRICS, Sprecher des Vorstands, bulwiengesa AG, Wibke Bachor, Managing Director Vertrieb Filiale, Tchibo GmbH, Arnd von Wedemeyer, Vorstand und Gründer notebooksbilliger.de AA, Christine Hager, Geschäftsführerin redos Gruppe und Vorsitzende des German Council of Shopping Centers e.V. und Sebastian Müller, Head of Retail & Real Estate, GfK SE
Sortiment kurzfristig umstellen.« Am Beispiel erforderlicher Genehmigungsverfahren bei Sortimentsbeschränkungen wurde die beste- hende Gesetzeslage skizziert. Christine Ha- ger weiter: »Es bedarf viel Geduld, Zeit und Geld bis zur tatsächlichen Umnutzung bezie- hungsweise Umwidmung der Fläche. Auf die- sem Weg dürfen wir den stationären Kunden natürlich nicht verlieren, denn hat sich dieser erst einmal neu orientiert, wird es schwer, ihn zurück zu holen.« Hager plädierte daher für eine neue Kultur der Zusammenarbeit und forderte, dass alle – Händler, Investoren und Genehmigungsbehörden – ganz eng und vor allem zügiger zusammenarbeiten, um zu- nächst ein gemeinsames Verständnis der ak- tuellen Situation zu schaffen, aber auch, um unmittelbare, gemeinsame Handlungsziele zu definieren. Die Verhinderung einer Ver- ödung unserer Innenstädte dürfte dabei der kleinste gemeinsame Nenner sein.
Auf die Stärken konzentrieren
Als notwendige Strategie für Shopping Cen- ter nannte Christine Hager die Konzentration auf jedwede Services rund um den Kunden und dessen Einkaufsverhalten. »Der stationä- re Handel muss sich auf seine Stärken wie Warenpräsentation und direkte Warenverfüg- barkeit konzentrieren und diese auch aus- spielen. Die Customer Journey beginnt mitt- lerweile zuhause und nicht erst am Point of
Sale. Hier anzusetzen, ist wichtig. Zudem muss die Digitalisierung auch auf der Fläche ankommen und erlebbar gemacht werden. Den Slogan »Food is the new Fashion« relati- vierte sie: »Food sollte zwar eine bestimmte Flächengröße einnehmen, denn das Seg- ment trägt entscheidend zum Besuch eines Centers bei und dient nachhaltig zur Erhö- hung der Verweilqualität und -dauer. Trotz- dem glaube ich nicht, dass sich unser Verhal- ten derart ändert, dass wir alle demnächst sonntags mit der Familie zum Mittagessen in ein Shopping Center fahren, wenn der Rest des Centers weiterhin geschlossen sein soll- te.« Ihr Fazit: »Der richtige Mix macht´s. Das Einkaufserlebnis – persönlich sowie digital – den Wohlfühlcharakter als auch den Service- gedanken in den Vordergrund stellen.«
Laut Frühjahrsgutachten blickt der Einzel- handelsinvestmentmarkt auf ein insgesamt unterdurchschnittliches Jahr 2018 zurück. Mit einem Transaktionsvolumen von rund 10,5 Milliarden Euro lag das Ergebnis zwar noch über dem langjährigen Mittel, aber mehr als ein Viertel unter dem Vorjahreswert. Besonders stark fiel der Rückgang bei Shop- ping Centern aus. Mit Blick auf den Invest- mentmarkt sei der Handel zurzeit leider ein wenig in die negativen Schlagzeilen geraten, bestätigte auch Hager. »Zu häufig ist vom an- geblich ausschließlich boomenden Online- Markt die Rede und es wird beispielsweise
behauptet, dass der stationäre Handel stirbt. Mitnichten ist dies der Fall!
Shopping-Center-Investmentmarkt
Faktisch hatten wir seit Mai vorigen Jahres zwar keine großen Transaktionen mehr im Shopping-Center-Segment, was aber nicht heißt, dass der Markt tot ist. Revitalisierung ist das Gebot der Stunde. Investitionen sind bestimmten Zyklen unterworfen, egal ob A-, B- oder C-Lage. Gemein haben alle, dass in die Emotionalisierung und Digitalisierung der Fläche investiert werden muss, damit für den Kunden die Kanäle sozusagen nahtlos ver- schmelzen. Angesichts der beständig stei- genden Baukosten, gepaart mit verkürzten Mietvertragslaufzeiten, der Verlagerung von ehemals Fest- zu reinen Umsatzmieten, stellt sich allerdings die Herausforderung, alles gleichzeitig und dies möglichst schnell zu schultern.«
Mit rund 440 Teilnehmern erlebte die QUO VADIS 2019 Konferenz von Veranstalter Heuer Dialog einen abermaligen Teilnehmer- rekord.
Ein Beitrag von
Susanne Müller,
freie Journalistin
und dem Redaktionsteam
78 GCM 2 / 2019
© Heuer Dialog / Alexander Sell Fotografie


















































































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