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im bereits stark konzentrierten Lebensmittel- und Drogeriemarkt.«
Welcher Retailer hat noch genügend Geld?
Für beide Strategien sei erhebliches Kapital vonnöten: »Man muss in die Fläche, in den Ladenbau oder in die Emotionalisierung in- vestieren. Das wird in den nächsten Jahren die Hauptaufgabe sein.« Gleichzeitig sieht Müller genau an diesem Punkt eine Schwie- rigkeit. »Welche Händler haben noch die Ka- pitaldecke, um so vielschichtige Investitionen voranzubringen?« Dabei gehe es am Ende nicht nur um Ladenbau und Sortimentsopti- mierung, sondern zusätzlich auch um Digita- lisierung von Smart Data bis hin zu neu kon- zipierten Bezahlvorgängen. »All das muss jetzt vorangetrieben werden, weil das Kon- sumverhalten sich aktuell sehr schnell wan- delt und wir Konsumenten mittlerweile bereit für Mobile Payment sind. Gerade in Groß- städten kann somit auch gezielt touristi- sches Potenzial abgegriffen werden. Ebenso werden wir Investitionen im hybriden Bereich sehen, wie Augmented Reality, die im Prinzip eine deutliche Erweiterung der stationären Handelsfläche schafft. Aber für all diese Un- ternehmungen braucht es Kapital.«
Weitere Händler verabschieden sich
Der Immobilienweise Sebastian Müller glaubt, dass der Handel im Jahr 2019 um 1,8 Prozent wachsen wird und der stationäre Zweig 0,8 Prozent davon ausmachen wird. Zwar beste- he die Gefahr einer leichten Delle aufgrund ei- nes leicht eingetrübten Wirtschaftsklimas, doch insgesamt werde es auch im laufenden Jahr stationär noch ein Wachstum geben. Gleichzeitig sei der Preiskampf im Non-Food- Bereich mitverantwortlich für eine insgesamt gedämpfte Umsatzentwicklung im stationä- ren Handel. »Auch im nächsten Jahr werde es einen Black Friday, Cyber Monday und einen Single Day geben. Somit bleibt der Preisdruck erheblich und in der Konsequenz werden sich noch weitere Anbieter aus der Handelsland- schaft verabschieden«, folgerte Müller. »Wir sind an einer Zeitenwende angelangt, in der die Gesamtverkaufsfläche in Deutschland meines Erachtens nicht mehr wachsen wird.«
Diskussion um aktuelle Fragen
Die anschließende Podiumsdiskussion unter Moderation von Ralf Peter Koschny, Vor-
Christine Hager, Geschäftsführerin redos Gruppe und Vorsitzende des German Council of Shopping Centers e.V.
Ralf-Peter Koschny CRE FRICS, Sprecher des Vorstands, bulwiengesa AG
standssprecher von bulwiengesa, nahm die Runde zum Anlass, um verschiedene aktuelle Fragen zu erörtern: Was müssen Vermieter bei der Bereitstellung von Flächen heute be- achten? Wie müssen sie auf den Transforma- tionsprozess der Branche reagieren? Und was können Investoren und Betreiber ange- sichts von Digitalisierung und verändertem Kundenverhalten gemeinsam tun, um den Kunden abzuholen – und zwar dort, wo er ab- geholt werden möchte? Akzente setzte Chris- tine Hager. Durch »zwei Brillen« blickte die ausgewiesene Handelsimmobilien-Expertin auf die Retail-Trends des Frühjahrs: zum ei- nen in ihrer Funktion als Managing Director / Head of Shopping Center Asset Manage- ment bei der redos Gruppe, zum anderen als
Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Vorsitzende
Sebastian Müller, Head of Retail & Real Estate, GfK SE
Vorstandsvorsitzende des German Council of Shopping Centers.
Laufende Anpassung wichtig
»Die Digitalisierung bringt enorme Verände- rungen mit sich, die sich sowohl auf Flächen- formate und Flächengrößen als auch auf Mieten und stationäre Umsätze auswirken«, erklärte Christine Hager und führte weiter aus: »Aktuelle Trends im Konsumverhalten, welche die Nachfrage beeinflussen, bedin- gen selbstverständlich auch eine laufende Anpassung auf Angebotsseite. Aber der sta- tionäre Handel und die Handelsimmobilien- branche können weder einfach noch schnell reagieren wie der reine Online-Handel und ihr
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© Heuer Dialog / Alexander Sell Fotografie (4)

















































































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