Page 78 - GCM2-2019
P. 78

GERMAN COUNCIL . VOR ORT
Frühjahrsgutachten als Kernstück für Retailer bei QUO VADIS
Zum inzwischen 29. Mal trafen sich Immobilienentscheider
und hochrangige Politiker im Berliner Hotel Adlon, um über die Zukunft der Städte und Gebäude sowie Handelsangelegenheiten interdisziplinär und nachhaltig zu diskutieren
gehe und davon profitiert der Handel.« Zu- dem zähle aktuell Qualität mehr als Preis: »Die Bereitschaft ist zweifellos bei vielen Konsumenten vorhanden, etwas mehr Geld für höherwertige Produkte auszugeben.«
Doch andererseits empfinde mehr als ein Drittel der Kunden Shoppen, egal ob online oder stationär, als lästig. Das führe dazu, dass die Einkaufshäufigkeit sowohl im Le- bensmittel- als auch im Non-Food-Bereich zu- rückgeht. Im Lebensmitteleinzelhandel und bei Drogeriemärkten nähmen die Flächen zu, so Müller. Flächenbereinigt sei das Wachs- tum allerdings nicht so groß, in manchen Be- reichen sogar rückläufig. »Aber dort wird or- dentlich expandiert und in den Ladenbau in- vestiert – das sorgt am Ende in den Segmen- ten für steigende Umsätze.«
Non-Food-Discount auf dem Vormarsch
Zusammenfassend für die Einzelhandels- umsätze des ersten Halbjahres 2018 sei zu beobachten, dass zwei Bereiche maßgeb- lich wachsen: E-Commerce und Non-Food- Discount. »Gerade letzteres Segment wächst momentan sehr stark, und darauf gilt es im laufenden Jahr zu achten. Denn dieser Be- reich schöpft mit 50 bis 60 Prozent Käufer- reichweite erfolgreich die Potenziale am Gesamtmarkt aus, expandiert weiterhin schnell und wird somit weitere Marktanteile gewinnen und auch in den nächsten Mona- ten überdurchschnittliches Umsatzwachs- tum zeigen.«
Die momentane Strategie der stationären An- bieter, sich – wie es aktuell die Nonfood-Dis- counter unternehmen – über den sehr güns- tigen Preis gegenüber dem Online-Handel zu positionieren und in die Fläche und somit in die Kundennähe zu investieren, gehe derzeit auf. Die andere Strategie, auf die Stärken des stationären Geschäfts zu setzen und in Wa- renpräsentation, Beratung, Erlebnis, Gastro- nomie und Freizeitelemente zu investieren, funktioniere momentan ebenfalls. »Beiden Strategien ist gemein, dass erhebliche Inves- titionen in das für den Kunden Offensichtli- che notwendig sind und dass zudem, quasi im Hintergrund, in digitale Abläufe bei IT, Da- tenanalysen, Marketing und Personal inves- tiert werden muss«, so Müller. »Mittelfristig wird es dadurch zu einem weiteren Konzent- rations- und Professionalisierungsprozess in allen Bereichen des Handels kommen, auch
Bereits am Vorabend des Kongresses prä- sentierte sich die neue CDU-Vorsitzende An- negret Kramp-Karrenbauer in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft mit ihrer Er- öffnungsrede »Wohlstand für alle?! Neue He- rausforderungen für ein altes Versprechen.« »Es gehört zur politischen Realität heutzuta- ge, dass Wirtschaftspolitik keine Blackbox mehr ist, nicht mehr nur für sich steht und si- gnifikant von außenpolitischen Entwicklun- gen abhängig ist«, so die Vorsitzende der CDU Deutschlands. »Auch die Immobilien- wirtschaft ist davor nicht gefeit. Deshalb braucht es ein starkes, unabhängiges Euro- pa, um einen stabilen Markt weiterhin im glo- balen Kontext erhalten zu können«, mahnte Annegret Kramp-Karrenbauer.
Aus Handelsimmobiliensicht war besonders das Segment Einzelhandel aus dem Früh- jahrsgutachten der Immobilienweisen ein wichtiger Tagesordnungspunkt. Grundsätz- lich positive Rahmenbedingungen beschei- nigte Sebastian Müller, Head of Retail & Real Estate bei GfK, dem deutschen Einzelhandel. Gleichzeitig dämpfte er allzu große Euphorie.
Konsumklima beflügelt Handelsbranche
»Das Konsumklima ist weiterhin auf Rekord- niveau«, machte er zunächst Mut. »Eine nied- rige Sparquote und eine hohe Anschaffungs- neigung sind beste Voraussetzungen für den Handel. Deutsche Haushalte haben derzeit das Gefühl, dass es ihnen finanziell ganz gut
 Jahresauftakt: Die gut besuchte Quo Vadis-Veranstaltung in Berlin
76 GCM 2 / 2019
© Heuer Dialog / Alexander Sell Fotografie



















































































   76   77   78   79   80