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»Menschen werden immer shoppen gehen«
Im Gespräch mit Oliver Herrmann, Managing Director / Head of Business Development bei der redos Gruppe
Herr Herrmann, der Einzelhandel durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Wo geht die Reise hin?
Sicher werden im Zuge des digitalen Wan- dels einige Unternehmen gewinnen und an- dere verlieren. Es ist also mitnichten so, dass am Ende nur »Loser« aus der derzeiti- gen Entwicklung hervorgehen werden. Lei- der ist diese Meinung nach wie vor weit ver- breitet. Momentan wird sie vor allem da- durch geprägt, dass der Textilhandel durch den wachsenden E-Commerce unter Druck steht. Dabei treten ja auch neue Player in den Markt ein, die – wie beispielsweise Za- lando – zuvor rein im Online-Geschäft tätig waren. Das ist für mich ein klares Indiz: Ein attraktives Online-Konzept funktioniert lang- fristig nur dann erfolgreich, wenn es mit ei- nem kundenorientierten stationären Kon- zept kombiniert wird. Immerhin wurden 82
Oliver Herrmann
Prozent des Einzelhandelsumsatzes 2018 stationär verbucht. Menschen werden im- mer shoppen gehen. Davon bin ich über- zeugt. Aber dafür muss sich der Handel auch entsprechend präsentieren.
Worauf kommt es bei Revitalisierungen heu- te an?
Auf die drei E’s: Einzelhandel, Erlebnis und Entertainment. Shopping ist im Center 4.0 nur noch eine Option von vielen. Gastrono- mie, Sport und Unterhaltung gewinnen zu- nehmend an Bedeutung. Nur durch die Kom- bination dieser Elemente wird ein Center zur attraktiven Destination. Ein abwechslungs- reicher, moderner Branchen- und Mietermix ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Genauso Services wie Click&Collect oder Mall-Apps, die standortbezogen über das Angebot und tagesaktuelle Aktionen in den einzelnen Geschäften informieren. Die Digi- talisierung muss endlich in der Breite auf der Fläche ankommen. Dafür müssen alle mit- machen – vom Eigentümer über den Betrei- ber bis zum Mieter.
Sind Shopping Center mit Blick auf die not- wendigen Revitalisierungsmaßnahmen nach wie vor interessant für Investoren?
Auf jeden Fall. Allerdings müssen sie in Zu- kunft noch genauer hinsehen. Denn der Er- folg der Shopping Center liegt eben nicht al- lein im Handel. Der Besuch im Center muss vor allem Spaß machen und ein Erlebnis bie- ten. Dann kaufen die Kunden nicht nur ein, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Und da müssen wir hin. Wenn ein Center ne- ben einem großen Einzugsgebiet und guter Kaufkraft im Betrieb auch noch über ein pro- fessionelles Management verfügt, dann ist es langfristig stabil. Ein allgemeingültiges Erfolgsrezept gibt es aber nicht. Jeder Standort muss individuell geprüft werden und jede Location braucht ihr eigenes Kon- zept. Vor diesem Hintergrund sind mehr denn je gut vernetzte Spezialisten gefragt,
die die Assetklasse bestens verstehen und ganzheitlich analysieren.
Ein Beitrag der Redaktion
GERMAN COUNCIL . HANDEL UND IMMOBILIEN
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