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GERMAN COUNCIL . KONSUM
Die Goldenen Regeln des Erfolgs
Handel und Konsum sind die eigentlichen Motoren menschlichen Fortschritts – von der Gründung der ersten Städte bis hin zur Geburt mächtiger Nationen. Vorangetrieben wird die Entwicklung immer wieder durch mutige Denker und Unternehmer, darunter die ersten Ökonomen und Milliardäre der Geschichte
Es ist ein Prozess, der tausende Jahre zuvor beginnt. Im fruchtbaren Halbmond, der sich von der israelischen und libanesischen Mit- telmeerküste über den Norden Syriens durch den Irak bis zum Persischen Golf zieht. Die Winter bringen dort mäßige Niederschläge, die Sommer trockenes, aber nicht übermä- ßig heißes Wetter. Es sind ideale Vorausset- zungen, um Getreide anzubauen sowie Rin- der- und Schafherden zu halten. Es ist der Teil der Welt, in der die bislang als Nomaden lebenden Menschen erstmals in der Ge- schichte sesshaft werden und Städte errich- ten. Eine der frühesten ist Jericho. Auf die Zeit um 8.000 vor Christi datieren Archäolo- gen die Reste der bei Grabungen gefunden Stadtmauer. Gut 2.000 Menschen, so schät- zen Historiker, leben bereits vor 10.000 Jah- ren geschützt vor Feinden hinter aufge- schichteten Lehmziegeln. Uruk, die um 4.500 vor Christi am Ufer des Euphrats entstehen- de Metropole des Sumer-Reichs, zählt schon mehr als 50.000 Einwohner.
Geld: das »vollkommenste wirtschaftliche Rechnungsmittel«
Was es den Menschen möglich macht, ihre kargen Höhlen gegen gemauerte Häuser zu tauschen, ihren Königen Paläste und ihren Göttern Tempel zu errichten, ist die Erfin- dung der Arbeitsteilung: Jedes Mitglied der Gemeinschaft fokussiert sich auf eine einzi-
Sorgsam gekämmtes lockiges Haar, ge- stutzter Bart, gekleidet in eine Tunika aus weichem Leinen: Hesiod, Sohn eines vermö- genden Grundbesitzers in der historischen Landschaft Böotien im antiken Griechen- land, muss sich für seinen Lebensunterhalt nicht auf Feldern plagen oder in der Hitze des Sommers Tiere hüten. Er hat Zeit für Mü- ßiggang – und für komplexe Überlegungen.
Das Ergebnis seiner Gedanken legt er in di- versen Werken auf Papyrus nieder. Sein wichtiges Vermächtnis, verfasst um 700 vor Christi, überschreibt er mit dem Titel »Werke und Tage«. Es sind 800 Zeilen in Reimform über den Wert der Arbeit, über die Leistung von Bauern und Handwerkern sowie die Be-
Hesiod: Begründer des didaktischen Epos, zusammen- gefasst unter dem Titel »Werke und Tage«
deutung von Edelmetallen wie Gold und Sil- ber als Zahlungsmedium. Es ist nicht weni- ger als die erste bekannte Abhandlung über die Ökonomie. Sie verschafft Hesiod den Ruhm, der erste Volkswirt der Geschichte zu sein.
Das Schriftstück zeigt, welche Bedeutung der Konsum von Waren bereits für die frühen Hochkulturen hat: Handwerker, vom Schmied über den Tischler bis zum Weber, können nur existieren, weil Menschen über genügend Geld verfügen, um ihre Produkte zu erwerben. Gleichzeitig sind diese Spezialisten nötig, um den Menschen jene Dinge zu geben, die es ih- nen ermöglichen, effizienter ihr Tagwerk zu verrichten – und auch dem Luxus zu frönen.
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Das antike Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris gehört zu den wichtigen kulturellen Entwicklungszentren des Alten Orients: Dort entwickelte sich die erste Hochkultur der Menschheitsgeschichte
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