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 Dr. Christoph Koch
den Marmor und unterhalten uns weiter. Ist das Gespräch beendet, wischen wir über den Marmor. Wenn sie sehen, dass der Kaf- fee nicht eingezogen ist, erübrigt sich jede Diskussion über die Qualität des Göflaner Marmors.
Gibt es etwas, das Marmor nicht verzeiht?
Marmor und Säure passen nicht zusam- men. Deshalb sollte man Marmor am bes- ten auch nur mit Kernseife reinigen und auf säurehaltige Putzmittel verzichten. Wenn man eine Badewanne für 80.000 Euro in sei- nem Bad stehen hat, soll sie auch entspre- chend gepflegt werden. Dabei gilt in diesem Fall aber: weniger ist mehr.
Bei dem gerade genannten Preis dürfte sich diese Frage nicht für allzu viele Menschen stellen. Ist Göflaner Marmor ein Luxusgut?
Göflaner Marmor: Das Grab von Udo Jürgens in Wien
Ganz sicher. Der »Marmo di Covelano«, wie er offiziell heißt, ist fünf mal so teuer wie Marmor aus Carrara. Eine Tonne Carrara- Marmor kostet 200 bis 300 Euro im Groß- handel, unser Marmor liegt bei 1000 bis 3000 Euro pro Tonne. Das hängt zum einen von der Größe und der Beschaffenheit des Blocks ab – je größer und gesünder der Marmor ist, desto teurer ist er auch. Zum anderen beeinflusst die Farbgebung den Preis.
Wann ist Marmor gesund?
Er darf weder Risse noch Brüche haben. Wir müssen tadellose Platten in der Mindestgrö- ße 1,40 mal 2,70 Meter daraus schneiden können. Das ist das Standardmaß, in dem wir den Marmor an die Großhändler liefern. Wir harzen unseren Marmor auch nicht. Das wird häufig gemacht, um kleinere Risse im Stein aufzufüllen, und dazu eignet sich Harz ganz gut. Wir verzichten darauf, weil man ei- nige Jahre später die Risse wieder sieht. Das ist dann nicht nur ein optisches Manko, sondern ein qualitatives Problem!
Bleibt die Farbgebung, die ja auch preisent- scheidend ist ...
In seiner reinsten und edelsten Form ist der Covelano unter seinem Handelsnamen »Ro- yal Gold« zu bekommen und damit am wert- vollsten. Wie bei allen anderen Sorten auch spiegelt sich in diesem Namen die Marmo- rierung wider. Zurzeit ist vor allem der Mar- mor in »Silber-Gold« sehr gefragt. Das heißt,
durch den weißen Marmor zieht sich eine silber- und goldfarbene Aderung.
Wer bestimmt, was gerade im Trend liegt?
Das entscheiden zum größten Teil die Archi- tekten. Sie orientieren sich meist an großen Referenzobjekten, in denen bestimmter Mar- mor schon verbaut wurde. Sie informieren sich aber auch auf der großen Steinmesse in Verona oder über die Dauer-Ausstellungen der Großhändler regelmäßig über die aktuel- len Farbgebungen, die in den Brüchen vor- handen sind, und legen dann fest, welchen Stein sie für welches Projekt verwenden wol- len. Gut ein Drittel unseres Umsatzes ma- chen wir über solche Projekte.
Gibt es auch Klassiker? Vor allem in öffentli- chen Gebäuden sieht man immer mal wieder die Kombination von Schwarz und Weiß ... Diese Kombination wird es wohl auch immer geben. Schwarz und Weiß unterliegen kei- nem Modetrend. Das ist ein großes Glück für uns. Zur Zeit haben die Kollegen mit grauen Materialen gut lachen. Grün oder Rosa waren vor einigen Jahren begehrt und sind jetzt überhaupt nicht mehr gefragt. Wir können mit unserem weißen Marmor, dem Klassiker unter den Marmorsorten, gelassener in die Zukunft blicken.
Eignet sich Marmor auch für die Ausstattung von Shopping Centern?
Selbstverständlich. Soll es weißer Marmor sein, kommt allerdings nur Südtiroler Mar- mor in Frage, weil er extrem hart ist und sich dadurch nicht abnutzt. Im Gegenteil: Er wird von Jahr zu Jahr schöner und erreicht nie den Zustand von »shabby«.
Das Gespräch führte Susanne Osadnik, Chefredakteurin GCM
Dr. Christoph Koch hat Wirtschaft an den Universitäten Ca` Foscari und Bologna stu- diert. Seit 2007 ist er verantwortlich für den Vertrieb des Göflaner Marmors, der in Südti- rol abgebaut wird. Nebenbei betreibt er das Beratungsunternehmen rcm solutions mit Schwerpunkt Marktforschung, Strategie- und Marketingberatung.
www.goeflanermarmor.it
GERMAN COUNCIL . INTERVIEWS
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