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GERMAN COUNCIL . INTERVIEWS
»Weißer Marmor aus Südtirol ist der härteste Stein der Welt«
Im Gespräch mit Dr. Christoph Koch, Verkaufsleiter der Göflaner Marmor GmbH im Vinschgau/Südtirol. In Europas höchstgelegenem Marmorbruch oberhalb der Gemeinde Schlanders baut das mittel- ständische Unternehmen das wertvolle Bau- und Gestaltungsmaterial ab – jährlich gut 2.000 Kubikmeter. Mehr ist nicht erlaubt. Denn das Abbaugebiet liegt mitten im Nationalpark Stilfserjoch. Das hat mehr Vor- als Nachteile. Es macht den weißen Stein zu einem kostbaren Konsumgut und hält die Preise stabil
Hotelprojekt »One57« in Manhattan, den Marmor für die Bäder von 95 Appartments der Luxusklasse geliefert. Beim Wohnpro- jekt »Hard Rock« im Big Apple ist ebenfalls Göflaner Marmor verbaut wurde. Und nicht zu vergessen: im noch im Bau befindlichen Central Park Tower, der spätestens 2020 fertig sein soll und dann das wohl exklusivs- te Wohngebäude der Welt sein wird, setzt man ebenso auf Südtiroler Marmor.
Gibt es inzwischen in Europa zu wenige Rei- che, die sich Marmorbäder leisten können? Das würde ich nicht sagen. Wir haben auch schon Marmorwannen nach Düsseldorf ge- liefert. Und im Inselspital in Bern wurde nicht nur im Innern mit unserem Marmor ge- arbeitet, sondern auch die Fassade damit ausgestattet. Europa ist aber in der Tat nur ein kleiner Markt für uns. Unsere Hauptab- satzmärkte lagen in den vergangenen Jah- ren vor allem in Russland und in Indien, wo es eine große Anzahl sehr wohlhabender Kunden gibt. Vor einigen Jahren sind auch die USA dazugekommen.
Wie sieht es mit China aus?
Auch die Chinesen haben den Covelaner Marmor für sich entdeckt. Auf der größten Steinmesse des Landes, der Xiamen Stone Fair, sind wir schon lange vertreten.
Was fasziniert die Menschen am Marmor?
Das signifikanteste Merkmal von Marmor ist das brillante Glitzern der Kristalle im Son- nenlicht. Bei den grobkörnigen Varianten, wie etwa dem Göflaner Marmor, entsteht so eine zauberhafte optische Tiefenwirkung. Es ist dieses geheimnisvolle Durchscheinen, das Marmor zu einem Klassiker in Architek- tur und Bildhauerei macht. Und es ist ein Stein für die Ewigkeit, noch dazu ein robus- ter Baustoff, zumindest wenn er aus Südti- rol kommt. Unser weißer Marmor ist der härteste Stein weltweit. Das prädestiniert ihn auch für Bäder und Außenfassaden. Weil er so hart ist, kann so gut wie kein Wasser eindringen, und deshalb ist er auch frostsi- cher.
Das ist Carrara-Marmor nicht?
Marmor aus Carrara ist dagegen weich wie Butter, saugt Feuchtigkeit auf und ist daher für den Badbereich nicht besonders geeig- net. Wir machen mit neuen Kunden, die un- seren Stein noch nicht kennen, gerne die Kaffeeprobe. Dazu schütten wir Kaffee auf
Herr Dr. Koch, hierzulande denkt man bei Marmor aus Italien zuallererst an die Brüche in Carrara. Vom Göflaner Marmor in Südtirol hat kaum jemand etwas gehört. Woran liegt das?
In Carrara gibt es mehr als 400 Brüche, in denen Marmor abgebaut wird. Das sind ganz andere Dimensionen. Wir haben hier in Südtirol gerade einmal zwei Marmorbrüche, einer ist in Laas, der andere ist unser Göfla- ner Bruch im Nationalparkgebiet Stilfserjoch. Dennoch hat vor allem unser Marmor eine lange Tradition. Schon im Mittelalter ver- edelten die Menschen in der Region ihre Burgen oder Kirchen mit dem Marmor aus unserem Bruch. Noch heute zeugen zahlrei- che Portale, Reliefs oder Triumphbögen da-
von, wie beliebt und kostbar der weiße Stein schon damals war. Auch in späteren Jahr- hunderten hat man die Qualität des Göfla- ner oder auf Italienisch des Covelaner zu schätzen gewusst. Immerhin war unser Marmorbruch der offizielle Lieferant der K- und-K-Monarchie. Es gibt zahlreiche Skulp- turen, die aus Göflaner Marmor sind – übri- gens auch in Deutschland. Die beiden Lö- wen vor der Feldherrnhalle in München und das Moltke-Denkmal in Berlin wurden aus unserem Marmor angefertigt.
Heutzutage gibt es andere Referenzobjekte ...
Ja, das ist richtig. Wir haben beispielsweise vor einigen Jahren in einem der höchsten Wohntürme in New York, dem Wohn- und
 Abbau des kostbaren weißen Marmors im Nationalpark Stilfserjoch in Südtirol
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© Göflaner Marmor GmbH
















































































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