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GERMAN COUNCIL . KONSUM
Tierisch gut im Geschäft
Die Zahl der Singles in Deutschland steigt – und mit ihr die von Hunden, Katzen, Meerschweinchen und Ziervögeln. Das schafft einen stetig wachsenden Markt für Hersteller von Futter und Zubehör. Denn für viele Konsumenten sind Haustiere längst zu Familienange- hörigen geworden, die liebevoll umsorgt werden – koste es, was es wolle ...
studie der Universität Uppsala in Schweden zeigt. Das Forscherteam um Professor Tove Fall verglich zwölf Jahre lang die Gesundheit von 34.000 Skandinaviern im Alter von mehr als 40 Jahren, die Hälfte von ihnen Hundehal- ter, die Hälfte tierlos. Das Resultat: Wer sein Leben mit einem Vierbeiner teilt, trägt ein deutlich geringeres Risiko Herz-Kreislaufer- krankungen zu erleiden – und seine Todesra- te ist um 13,1 Prozent niedriger als die ver- gleichbar alter Menschen ohne Fellnase als Begleiter. »Hundebesitzer haben ein höheres Maß an körperlicher Aktivität«, erklärt Fall das Ergebnis der Studie.
Teurer Liebling: Tierhandel macht 4,16 Milliarden Euro Umsatz
Doch dies dürfte kaum der Grund sein, wes- halb seit mehr als drei Dekaden von Jahr zu Jahr die Zahl der Haustiere in Deutschland steigt. Allein 2017 kamen nach einer reprä- sentativen Erhebung des Marktforschungsin- stituts Skopos weitere 2,7 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel hinzu und trieben damit den Gesamtbestand an Heim- tieren auf stattliche 34,3 Millionen. Forscher sehen hinter dem Trend vielmehr die stetig wachsende Zahl der Single-Haushalte. Leb- ten 1991 nur 11,86 Millionen Menschen allein im Land, waren es 2017 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 17,26 Millionen – mithin 41,79 Prozent der 41,3 Millionen Haushalte im Land.
»Heute lebt in fast jedem zweiten Haushalt ein Tier, während dies noch vor zehn Jahren nur in ungefähr jedem dritten Haushalt der Fall war«, sagt Georg Müller, Vorsitzender des deutschen Industrieverbands Heimtier- bedarf (IVH). Das beschert der Branche seit Jahren stetiges Wachstum: Futter, Spielzeug und Bedarfsartikel – vom Hundegeschirr über Katzen-Kratzbäume bis hin zu Aquarien – haben dem Fach- und Lebensmitteleinzel- handel im vorvergangenen Jahr einen Um- satz von 4,16 Milliarden Euro beschert. »Hin- zu kamen 580 Millionen Euro über den On- line-Handel sowie 98 Millionen Euro für Wild- vogelfutter«, sagt Norbert Holthenrich, Präsi- dent des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF). Unterm Strich addierte sich der Gesamtumsatz der Branche 2017 damit auf 4,84 Milliarden Euro. Das ent- spricht einer Steigerung von 30,5 Prozent ge- genüber den 3,7 Milliarden Euro im Jahr 2010 und sogar von 57 Prozent gegenüber dem
Friedrich Kreutzkamp, Pfarrer der St.-Josef- Kirchengemeinde in Braunschweig, zeigte in den frühen 1970er Jahren seinen Messdie- nern eindrucksvoll, was Armut bedeutet: Er gab jedem einen Löffel, öffnete eine Dose Hundefutter, nahm selbst einen Bissen und reichte danach das Gefäß herum. Zugleich neugierig und etwas angewidert auf der glib- berigen brauen Masse kauend, erklärte der Pfarrer den Heranwachsenden, dass »man- che Menschen so wenig Geld haben, dass sie sich nichts Besseres zu Essen leisten kön- nen«. Ein drastisches Mittel, aber bis heute nicht vergessen – von denen, die dabei wa- ren und die Lektion kapiert hatten.
Heute ließe sich mit Fertiggerichten für Cani- den oder Felidae die Konsequenz finanziellen Mangels so nicht mehr demonstrieren. Was Hund und Katze in vielen Haushalten serviert
bekommen, erinnert an Streifzüge durch Deli- katessen-Geschäfte: Gereicht werden Fleischstücke von Elch, Fasan, Rind, Rentier oder Truthahn im Dialog mit Getreide und Ge- müse aus biologischem Anbau. Kostete die Kilo-Dose Tiernahrung vor fünf Dekaden nur Pfennigbeträge, finden sich heute in den Re- galen der Zoofachhändler Dosen gefüllt mit einem Mix aus Fleisch von Wasserbüffeln und Süßkartoffeln für 4,35 Euro. Und das ist nicht mal das teuerste Futter.
»Haustiere wie Hunde und Katzen sind für viele Menschen zu Familienmitgliedern ge- worden«, sagt Marinus Pannevis, bis vor kur- zem Präsident des Europäischen Verbands der Heimtier-Nahrungsmittelerzeuger FE- DIAF und nun im Ruhestand. »Sie prägen un- ser Leben auf wundervolle Weise.« Und: Sie halten ihre Menschen fit, wie eine Langzeit-
 Mensch und Hund sind schon seit Jahrtausenden eng miteinander verbunden
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