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 Heiko Griguhn
Gift. Mehrere kleine Portionen Obst in der Woche sind ausreichend – mehrere größere Portionen Obst am Tag sind zu viel.
Stimmt es, dass Frauen sich gesünder er- nähren?
Nein, meiner Erfahrung nach stimmt das nicht. Sie ernähren sich anders. Männer es- sen mehr Eiweiß, Frauen naschen dafür häu- figer – vermutlich hormonbedingt. Dazu kom- men süße Alkoholika wie Hugo & Co., deren Kalorien- und Zuckeranteil unterschätzt wird. Männer und Frauen ernähren sich leider häu- fig gleichermaßen ungesund.
Der moderne Mensch nimmt sich immer we- niger Zeit, um eine Mahlzeit zu genießen. Ha- ben Sie einen Rat, was ein gestresster Mana- ger essen sollte?
Regelmäßiges Essen ist ganz wichtig. Es geht nicht, dass man sich sagt: Heute Abend ist wieder ein großes Dinner, da esse tags- über nichts und schlage dann später zu. Das dankt Ihnen der Körper nicht. Wer tagsüber – auch bei Konferenzen und Meetings – die vielen kleinen Backwaren weg lässt, auf gro- ße Mengen Nudeln, Reis und Kartoffeln ver- zichtet und sich stattdessen an Gemüse und Fisch und Meeresfrüchten satt ist, dürfte kein Problem mit seinem Gewicht bekom-
men. Auch etwa mageres Fleisch vom Schwein, Rind, Huhn oder Pute dürfen dabei sein – die Abwechslung macht‘s.
Was raten Sie gegen die vielen Versuchungen an Bahnhöfen und Flughäfen?
Selbst da gibt es inzwischen Alternativen: Statt Currywurst lieber einen Wrap mit viel Gemüse und etwas Fleisch nehmen oder zur Salatschale mit Ei, Schinken oder Thunfisch greifen. Oder den Burger kaufen und das Pappbrötchen weglassen. Das spart auch schon viele ungesunde Kohlehydrate. Helles Brot enthält viele einfache Kohlenhydrate, die nicht lange satt machen, ebenso wie die meist zusätzlich sehr fetthaltigen Soßen dar- auf.
Und im Hotel?
Da ist es noch einfacher. Zum Frühstück Vollkornbrot – das enthält komplexe Kohlen- hydrate, die lange satt machen – Lachs dazu, fettarmen Aufschnitt, Käse, Frischkä- se, Gemüse wie Tomaten und Gurken. Und vielleicht noch ein Stück Obst. Nüsse dürfen auch gegessen werden – so lange sie natur- belassen sind. Butter/Margarine und Crois- sants gehören eindeutig nicht zu den gesun- den Lebensmitteln. Grundsätzlich sollte man morgens aber ruhig zulangen – vorausge-
setzt, es sind die richtigen Nahrungsmittel. Dann kommt man gut bis zum Mittagessen durch. Und auch da sollte der Hauptanteil aus Eiweiß bestehen: Das Omelett ist genau- so wertvoll wie der Linsensalat mit Huhn. Abends gilt immer noch: Eher wie ein Bettel- mann essen. Nicht zu spät, nicht zu viel zu sich nehmen. Sonst kommt der Organismus nicht zur Ruhe. Und wer sich was Gutes tun will, verzichtet auch auf den abendlichen Drink in der Bar. Statt des alkoholhaltigen Absackers mal eine warme Milch bestellen.
In der Bar eines Sterne-Hotels?
Einfach mal versuchen und den Barkeeper darum bitten. In einem guten Hotel be- kommt man das hin. Als probates Einschlaf- mittel gibt es kaum etwas Einfacheres als warme Milch.
Apropos Schlafen und Ruhe. Was ist vom Fasten zu halten?
Wer abnehmen will, wird damit langfristig keinen Erfolg haben. Es gibt dennoch viele Menschen, denen es gut tut. Deshalb ist nichts dagegen einzuwenden. Mit der Nah- rungsaufnahme zu pausieren, kann nie schaden, um einfach mal wieder ein Appetit- gefühl zu entwickeln. Das gilt auch für das Intervallfasten, bei dem man zwischen 14 und 16 Stunden mal nichts isst. Wer das Ganze auf die Abendstunden schiebt, ver- schläft die meiste Zeit und frühstückt entwe- der später oder isst sehr früh zu Abend.
Wir sprachen darüber, wie Chefs sich besser ernähren können. Wie sieht es mit deren Mit- arbeiter aus? Muss man sich um die Ernäh- rung der Belegschaft kümmern?
Auf jeden Fall. Jeder Unternehmer hat mei- nes Erachtens auch eine Fürsorgepflicht, wenn es um die richtige Ernährung geht. Da- von profitieren auch die Unternehmen: Wenn die Mitarbeiter durch weniger Gewicht und gesündere Speisen nicht so oft krank und in- gesamt leistungsfähiger sind. Häufig wird gutes Kantinenessen von den Unternehmen aber abgelehnt, weil es angeblich zu viel kos- tet. Dabei liegt der Unterschied zwischen ei- nem Angebot »Schnitzel, Pommes, Kartof- felsalat, Pizza« und einer gesünderen Varian- te aus Fisch, Salat und Gemüse häufig nur im Centbereich. Eine »grüne Tafel« ist somit nicht kostspieliger als das »normale« Essen, das meist zu kohlenhydratlastig ist. Außer- dem kann man auch mit kleinen Tricks arbei- ten, indem man Cola und andere Süßgeträn-
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