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                 zu verkaufen. Und zwar ganz einfach: Per App gibt man an, welche Gerichte noch verfügbar sind. Nutzer der App können so sehen, was es in ihrer Umgebung an Essensangeboten gibt, sich die Wunschmahlzeit reservieren lassen und später abholen. Bezahlt wird direkt vor Ort. Der Preis liegt zwar erheblich unter dem eigentlichen Angebot, aber die Gastronomen würden ansonsten ein Minusgeschäft ma- chen. Erst am Monatsende stellt FairMeals eine Rechnung für vermittelte Mahlzeiten. Das nutzt vor allem kleinen Gastronomiebe- trieben, die nicht auf die Auszahlung des Ver- mittlers warten müssen.
Start-up-Technologie optimiert Kühlkette
Auch das portugiesische Start-up Sensefinity hat Lebensmittel zur Grundlage seines Unter- nehmens erklärt – wenn es auch einen ande- ren Ansatzpunkt gewählt hat: Um die Qualität von Lebensmitteln zu gewährleisten, sind grundsätzliche diverse Vorschriften einzuhal- ten, etwa müssen Fleisch und Fisch ständig gekühlt sein, damit sich Bakterien nicht ver- mehren können. Die Kühlkette darf eigentlich nicht unterbrochen werden, was in der Praxis aber doch passiert. Die Konsequenz: Um zu gewährleisten, dass niemand eine Lebens- mittelvergiftung erleidet, werden die Waren vorsichtshalber entsorgt. Sensefinity hat für dieses kostspielige und unökonomische Pro-
blem eine Lösung gefunden: Mithilfe eines smarten Trackers namens Sensoroid soll es künftig möglich sein, den gesamten Weg ent- lang der Logistikkette des Produkts nachzu- vollziehen. Dabei übermittelt der Sensoroid neben dem aktuellen Standort auch Daten wie Temperatur, Feuchtigkeit, Druck und vie- les mehr. Dank des Einsatzes von Blockchain können dabei Probleme bei jedem Arbeits- schritt genau identifiziert werden. Das Sys- tem gibt frühzeitig eine Warnung aus. So las- sen sich geltende Qualitätsstandards leichter einhalten. Und gleichzeitig wirkt der Sensoro- id der Lebensmittelverschwendung entge- gen. Der Ansatz war so überzeugend, dass der Metrokonzern die Firmengründer mit Fi- nanzspritzen bei der Entwicklung ihrer neuen Technik unterstützt hat.
Eine neue Technik hat auch Dr. Jenny Müller entwickelt. Die Münchener Unternehmerin hatte sich selbst oft genug über vergammelte Obstsalate in Kühlung der Lebensmittelhänd- ler geärgert. Selbst hat sie viele Jahre für die REWE Group in der Entwicklung gearbeitet, bis sie eines Tages den Entschluss fasste, sich selbstständig zu machen und das Fri- scheproblem von geschnittenem Obst anzu- gehen. Ihre Lösung: Sie entwickelte ein neues Frischhalteverfahren, das auf rein natürliche Substanzen setzt. Laut Gründerin Müller wer- den im Vergleich zu ähnlichen Produkten rund 70 Prozent weniger Obstsalate zwangs-
GERMAN COUNCIL . KONSUM
weise entsorgt. »Unser Fresh-Cut Obst hält zehn Tage frisch und knackig. Das erreichen wir durch extrem hygienische Produktion, Vit- amin C Coating und Schutzgasatmosphäre. Zudem haben wir noch ein Patent zu einer Verpackung in der Anmeldung, mit der me- chanisch die Haltbarkeit unseres Fresh-Cut Obst verlängert werden kann. Die zehn Tage Frische sind uns vor allem deshalb so wich- tig, weil wir dadurch den Food Waste, der in diesem Bereich noch sehr hoch ist, signifi- kant senken können«, so Müller.
Ein Beitrag von Susanne Osadnik, Chefredakteurin GCM
 »Zu gut für die Tonne!«
Die Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft »Zu gut für die Tonne!« bildet »eine gute Grundlage für neue politische Maßnah- men zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen«, heißt es von offizieller Seite. Dabei hätten sich Per- sonen bis 40 Jahre als eine wichtige Zielgruppe her- ausgestellt. Die Ergebnisse der Studie, die in drei bis fünf Jahren wiederholt werden soll, finden Sie hier: https://www.zugutfuerdietonne.de
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© Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)






















































































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