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GERMAN COUNCIL . KONSUM
Futter für den Mülleimer
In einer Konsumgesellschaft wird Vieles viel zu früh entsorgt, weil es ja jederzeit Nachschub gibt. Das gilt vor allem für Lebensmittel. Deutschlandweit landen jährlich Nahrungsmittel im Umfang von 18 Millionen Tonnen im Abfalleimer – häufig lange bevor sie schlecht sind. Nicht nur das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat das Problem erkannt. Zahlreiche junge Unternehmer haben pfiffige Lösungen erarbeitet, wie der Verschwendung beizukommen ist und dennoch Geld verdient werden kann. Das begeistert auch Großkonzerne, die den Start-ups bei ihren Entwicklungen unter die Arme greifen
haben mit »SirPlus« den ersten Reste-Super- markt gegründet, der Lebensmittel aufkauft, die nicht der Norm entsprechen oder wegge- worfen werden. Krumme Möhren und aben- teuerlich gewachsene Kartoffeln, die für ge- wöhnlich gar nicht erst beim Verbraucher landen, werden bei SirPlus im Herzen West- berlins günstig verkauft. Das Prinzip: Das Un- ternehmen kauft übrig gebliebene und aus- rangierte Ware günstig bei Groß- und Einzel- händlern oder auch bei der Handelskette Me- tro ein und verkauft sie im stationären Ge- schäft weiter – allerdings auch online. Man kann sich verschiedene Boxen mit Produkten zusammenstellen und schicken lassen. Rund 20.000 Pakete haben die Berliner schon ver- schickt.
Metro kooperiert mit Lebensmittel- retter SirPlus
Inzwischen sind es 300 Partner, die mit den Lebensmittelrettern, wie sie sich selbst be- zeichnen, kooperieren. Bei der Metro ist man hochzufrieden mit dem Deal. Immerhin will das Unternehmen bis 2025 seine Warenver- schwendung um die Hälfte reduzieren. Ein Start-up wie SirPlus (eine Anspielung auf das englische Wort »surplus«, übersetzt »Über- fluss) passt da genau ins Konzept. Und weil das Ganze so gut angelaufen ist, gibt es schon vier Läden in Berlin, mit deren Hilfe laut Fellmer bereits rund 1.500 Tonnen Lebens- mittel weiterverwendet wurden. Und es sollen viele tausend weitere Tonnen werden. Denn das Start-up hat Größeres im Sinn: Man sucht zurzeit Francise-Partner, die das SirPlus-Sys- tem übernehmen und die Marke weiter be- kannt machen. Mehr als 100 Interessenten gibt es nach Angaben von Start-up-Gründer Fellmer bereits.
Auch Firmengründer Dr. Chris Wimmler such- te eine Antwort auf die Frage: Wie kann man verhindern, dass zu viele Lebensmittel auf der Müllkippe landen? Durch zahlreiche Aus- landsaufenthalte stolperte er nach eigenen Angaben immer wieder auf dieselbe Proble- matik: Restaurants hatten am Ende des Ta- ges zu viele Mahlzeiten vorbereitet und zu we- nige Besucher. Meistens landete das frische Essen direkt in der Mülltonne. »Dadurch ent- stehen einem durchschnittlichen Restaurant jährliche Schäden in Höhe von 9.600 Euro pro Jahr«, rechnet der CEO von FairMeals in Leip- zig vor. Sein Start-up ermöglicht Gastrono- miebetrieben überzählige Gerichte doch noch
Wir sind Verschwender. Zumindest, wenn es um unsere Lebensmittel geht, werfen wir Deutschen pro Kopf und Jahr 55 Kilogramm weg. Knapp die Hälfte davon ist in den meis- ten Fällen noch verwertbar und würden wir sogar noch genießen können, so der aktuelle Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).
Obst und Gemüse (34 Prozent), Gekochtes oder selbst Zubereitetes, Brot und Backwaren (14 Prozent) – wir machen vor nichts halt,
was nicht mehr mit einem Haltbarkeitsdatum von morgen oder übermorgen versehen ist. Allerdings kaufen wir auch viel zu viel ein. Laut Studie ist der Fehleinkauf der zweithäu- figste Grund, warum Lebensmittel im Müll landen. Und: Je jünger die Verbraucher, desto mehr potenziell verwertbare Lebensmittel werden weggeworfen. Haushalte mit älteren Personen werfen tendenziell weniger weg – grundsätzlich ist es aber immer noch zu viel. Das sollte sich ändern, waren Raphael Fell- mer und Martin Schott überzeugt. Die beiden
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