Page 7 - GCSC_2019_01
P. 7

  Hotpants, Minirock und Minikleid (USA, 1973)
Monte Carlo zu gewinnen. Der Mini, vom In- genieur Alec Issigonis auf einer Serviette entworfen, stellt das vorherrschende Fahr- zeugkonzept der großen, hubraumstarken Limousinen in Frage. Wie die jeweils mehr als einen halben Meter länger geratenen Cit- roën 2CV und der Renault 4 wird der in Bir- mingham produzierte Autozwerg zum fah- renden Kultmobil der aufbegehrenden jun- gen Menschen, deren Bewegung in Deutsch- land unter dem Schlagwort »68er-Bewe-
Stand Pate bei der Namensfindung: der erste 1959 hergestellte Mini
gung« in die Geschichte eingeht – ein Makrotrend inmitten eines weltweiten Me- gatrends.
Megatrends – das sind die großen, tiefgrei- fenden Entwicklungen, die nachhaltig das Leben der Menschen verändern. Sie sind so stark, dass sie letztendlich die Mauern von Politik und Ständen sprengen und sich tief in der Mitte der Gesellschaft verankern. Wenn ein Megatrend seine Wucht entfaltet, sind »die politische Linke und Rechte tot, alles geht am Ende vom Zentrum aus«, schreibt der US-Trendforscher John Naisbitt. Der 90-jährige Harvard-Absolvent, der an Univer- sitäten in den USA, Russland und China ge- lehrt hat, ist der Namensgeber jenes Mega- trends, der in den vergangenen Dekaden das Leben der Menschen in den westlichen In- dustrienationen und den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien, Afrika und La- teinamerika tiefgreifend verändert hat: die Globalisierung.
Sie führt dazu, dass Güter in jenen Ländern produziert werden, in denen es am ökono- misch sinnvollsten erscheint. Ganze Natio- nen entwickeln sich so zu Spezialisten in der Entwicklung und Fertigung von Waren und Technologien. Deutschland steht für Auto-
Mary Quandt im selbstentworfenen Minikleid (1966)
mobil- und Maschinenbau, die USA für IT- Software, Japan für Computer- und Kamera- technik. Argentinien für die Fleischprodukti- on. China wächst erst zur verlängerten Werkbank der Welt heran, auf der Textilien geschneidert werden, und entwickelt sich danach zum bevorzugten Standort für die Fertigung von Computern und Smartpho- nes, während die Bekleidungsindustrie zu- nehmend nach Bangladesh und Vietnam ab- wandert, wo die Lohnkosten geringer sind.
Volkswagen goes China – 1985
Die Entwicklung verschafft dem weltweiten Handel einen enormen Schub. Von 1960 bis 2017 explodiert der grenzüberschreitende Transport von Waren nach jüngsten Zahlen der Welthandelsorganisation um 1.799 Pro- zent, während die Fertigung von Produkten selbst in diesem Zeitraum nur um 603 Pro- zent steigt. Die größten Gewinner sind die Menschen in den aufstrebenden Nationen, wie Daten der Bundeszentrale für politische Bildung zeigen: Lebten noch 1990 weltweit zwei Milliarden Menschen mit einem Ein- kommen von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag, sind es heute nur noch 900 Millionen, die mit einem so geringen Verdienst aus- kommen müssen.
GERMAN COUNCIL . TRENDS
 GCM 1 / 2019 5
© DeFacto – commons.wikimedia.org © Calliopejen – commons.wikimedia.org
© Materialscientist – commons.wikimedia.org





















































































   5   6   7   8   9