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licherweise den europäischen Märkten be- vorstehen. Nicht alle Trends werden sich auch hierzulande niederschlagen – die Transformation zwingt den stationären Han- del jedoch überall zu mehr Kreativität. Es werden neue Geschäftsmodelle und Kon- zepte im stationären Einzelhandel entste- hen, die sich zur Assetklasse entwickeln können. Die Ausdifferenzierung hat ihr Ende sicher noch nicht erreicht.«
Viel Licht – und viel Schatten in Belgien, Frankreich und UK
Spiegelbildlich zur robusten Entwicklung der europäischen Top Fünf-Märkte haben sich der Erhebung zufolge die strukturellen Defizite auf den hinteren Plätzen verschärft. »Während der Einzelhandel in Europa mehrheitlich vom glo- balen Aufschwung profitiert, lässt die Markt- entwicklung in Belgien und Frankreich Anzei- chen einer Krise erkennen. Der sich fortsetzen- de Negativtrend stellt hier besondere Anforde- rungen an das Risikomanagement von Retail- Investoren«, sagt Henrike Waldburg. Belgien bildet jetzt noch deutlicher das Schlusslicht unter den zwölf in die Betrachtung einbezoge- nen Einzelhandelsmärkten. Besonders auffäl- lig: Mit 96 Zählern (minus 3 Punkte) liegt es als einziges europäisches Land unterhalb der 100-Punkte-Marke. International gesehen er- reicht unter den 17 analysierten Märkten nur Südkorea einen vergleichbar schwachen Wert.
Die stärksten Verluste unter den europäischen Ländern fährt in diesem Quartal Frankreich ein. Gegenüber dem Vorjahr gab der französi- sche Einzelhandelsindex auffallend deutlich um 11 Punkte nach. Hierfür sorgen jeweils zweistellige Rückgänge bei den beiden Stim- mungsindikatoren sowie beim Markindikator Inflation. Die Schere zwischen den größten eu-
ropäischen Volkswirtschaft Deutschland und Frankreich geht damit weiter auseinander – von vorher sechs auf nunmehr 15 Punkte. Auf- fällig: Frankreich fällt mit 100 Punkten sogar noch hinter Großbritannien (104 Punkte) zu- rück. Der UK-Index konnte sich mit einem Plus von sechs Punkten etwas Luft verschaffen. »Eine Trendumkehr lässt sich hieraus nicht ab-
leiten«, sagt Henrike Waldburg. »Ein ungeregel- ter EU-Austritt Ende März birgt enorme Sprengkraft und könnte die Krise im britischen Einzelhandel perpetuieren.«
Ein Beitrag des GCSC-Mitglieds
Union Investment Real Estate
GERMAN COUNCIL . HANDEL UND IMMOBILIEN
   Zur Methodik
Der Global Retail Attractiveness Index (GRAI) von Uni- on Investment bildet die Attraktivität der Einzelhan- delsmärkte von insgesamt 17 Ländern in Europa, Ame- rika und Asien-Pazifik ab. Dabei bedeuten 100 Index- punkte eine durchschnittliche Bewertung. In den EU- 12-Index gehen die Indizes der EU-Länder Deutsch- land, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Österreich, Niederlande, Belgien, Irland, Portugal, Po- len und Tschechien ein, gewichtet mit ihrer jeweiligen Bevölkerungszahl. In den Nordamerika-Index gehen
die Indizes der USA und Kanadas ein; der Asien-Pazifik- Index berücksichtigt Japan, Südkorea und Australien. Halbjährlich vom Marktforschungsunternehmen GfK er- mittelt, setzt sich der Global Retail Attractiveness Index aus zwei Stimmungsindikatoren und zwei datenbasier- ten Indikatoren zusammen. Alle vier Faktoren gehen gleichgewichtet, also mit jeweils 25 Prozent, in den In- dex ein. In den Index fließt sowohl die Stimmung der Nachfrageseite (Consumer Confidence) als auch die Stimmung der Angebotsseite (Business Retail Confi- dence) ein. Als quantitative Input-Faktoren werden die
Veränderung des Verbraucherpreisindex (Inflation) und die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes in den GRAI einbezogen. Nach Standardisierung und Transformation haben die Input-Faktoren jeweils ei- nen Mittelwert von 100 sowie einen theoretischen Wertebereich von 0 bis 200 Punkte. Dem Index liegen Daten aus aktuellen Quellen von GfK, EU-Kommission, OECD, Trading Economics, Eurostat sowie der natio- nalen Statistikämter zugrunde. Die dargestellten Ver- änderungen beziehen sich jeweils auf den entspre- chenden Zeitraum des Vorjahres (Q4 2017).
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