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 Christian Mikunda
thedrale, Gebäude mit hohen Kuppeln, oder auch auf die Christmasworld. Denn auch Licht funktioniert zu zwei Dritteln auf dieser Hochgefühlsebene. Sowohl bei Weihnachts- beleuchtung als auch am PoS in Geschäften. Die Beleuchtungen, die es hier auf der Christ- masworld zu sehen gibt, werden, sowohl im öffentlichen Raum als auch in Shops und Malls, immer häufiger nicht nur noch tempo- rär als Weihnachtsbeleuchtung eingesetzt, sondern als feststehende Dramatisierung ei- nes Raumes.
Das zweite Hochgefühl ist »Joy«. Lichtinsze- nierungen, die auf dieser Ebene funktionie- ren, rufen Freudentaumel hervor. Flackern, Flimmern, visuelle Bewegungen, Droplights, alles was funkelt und glitzert, setzt im Men- schen das Glückshormon Dopamin frei. An- ders als Serotonin ruft Dopamin einen Rauschzustand hervor. Die Wahrnehmungs- fähigkeit wird gesteigert, Vorfreude geweckt und wir sind empfänglicher für suggestive Botschaften.
»Glory« und »Joy« ergibt die typische Kombi- nation, die wir hier auf der Christmasworld sehen: das Hervorrufen und Verbinden von Hochgefühlen. Und das Tolle an der Christ- masworld ist, dass man konzentriert an ei- nem Ort ständig Hochgefühle findet. Hier werden Emotionen durch Akzentuierung her- vorgelockt und Licht bewusst (ein)gesetzt, um einen emotionalen Mehrwert zu schaf- fen. Die Christmasworld bringt einem bei, dass es die Welt des bewussten Lichtset- zens überhaupt gibt.
Wenn Sie an die vergangene Adventszeit den- ken, welche Lichtinszenierungen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Es gibt zwei Sachen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Eine davon ist der 17 Meter hohe LED-Kronleuchter im Züri- cher Hauptbahnhof. Der Kronleuchter ver- sprühte schon allein aufgrund seiner Größe unglaublich viel »Glory«. Nun waren die 25.000 LEDs aber auch noch individuell be- spielbar. Passanten konnten sich eines von
etlichen verschiedenen vorprogrammierten Mustern aussuchen. Der Kronleuchter hat dann diese Muster als bewegtes Licht ge- spielt. So ließen sich nicht nur klassische Lichtregen, sondern auch bunte Leuchtspie- le wiedergeben und durch die Verbindung von Licht und Interaktivität weckte der Kron- leuchter nicht nur das Hochgefühl »Glory«, sondern auch »Joy«.
Und die andere Lichtinszenierung, die mich begeistert, gibt es auf dem Wiener Christ- kindlmarkt zu sehen. Seit rund 20 Jahren werden die Bäume um den Rathausplatz künstlerisch inszeniert. Und der berühmtes- te davon, den die Wiener am meisten lieben, ist der sogenannte Herzerlbaum – ein gro- ßer Baum, der mit sehr vielen roten, leucht- enden Herzen geschmückt wird. Die einen finden ihn schlichtweg kitschig, während er für die anderen einfach dazugehört. Den Baum gab es nun ein paar Jahre nicht, auf- grund eines Rechtsstreits zwischen der Stadt Wien und der Firma, die für die Be- leuchtungen engagiert wurde. Das erste, was Wiens neuer Bürgermeister 2018 tat, war diesen Streit beizulegen, sodass es zur Advents- und Weihnachtszeit wieder den Herzerlbaum gegeben hat. Die Wiener freu- en sich, die Touristen freuen sich – ein simp- ler Baum, dekoriert mit großen roten, leucht- enden Plastikherzen, platziert an der richti- gen Stelle, verbunden mit Emotionen und Tradition: So einfach kann eine perfekte In- szenierung sein.
Das Interview wurde von dem GCSC-Mitglied Christmasworld
Messe Frankfurt zur Verfügung gestellt. Es erscheint im GCM in gekürzter Fassung.
GERMAN COUNCIL . INTERVIEWS
GCM 1 / 2019 49
© Marc Jacquemin | Photography






















































































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