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GERMAN COUNCIL . INTERVIEWS
»Jede regionale Umplanung ist zeit- und kostenintensiv«
Egal, ob es um den Bau von Wohnungen, Fachmarkt- oder Einkaufs- zentren geht: Projektentwickler und Architekten müssen in jedem der 16 Bundesländer andere Planungsvorgaben berücksichtigen. Die vor zwei Jahren versprochene Vereinheitlichlung der Landesbauord- nungen liegt weiter auf Eis. Der jüngsten Sitzung der Bauminister- konferenz entnimmt Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, nun Signale, die auf einen ersten Schritt in die richtige Richtung deuten
stellungskosten neuer Projekte durch Ska- leneffekte reduzieren. Dabei geht es explizit nicht um Plattenbauten, sondern anspre- chende Architektur und modernen Wohn- raum, der industriell vorgefertigt wird.
Nicht nur beim Wohnungsbau gibt es Proble- me, sondern auch bei der Entwicklung von Fachmarkt Centern und Shopping Centern hakt es immer wieder...
Auch im Einzelhandelsbereich erschweren die unterschiedlichen Landesbaurechte die Situation für Investoren und Entwickler. So etwa bei den unterschiedlichen Stellplatzvor- gaben. Hier müssen teilweise Stellplätze ge- baut werden, die am Ende aufgrund der zen- tralen Lage und guten ÖPNV-Anbindung von einigen Einzelhandelsimmobilien erst gar nicht benutzt werden. Bei Brandschutzvor- gaben finden sich je nach Bundesland eben- so teils gravierende Unterschiede, die regio- nale Umplanungen erforderlich machen. Auch hinsichtlich von Landesentwicklungs- plänen und Raumordnungsprogrammen entsteht ein Flickenteppich verschiedenster Vorgaben – etwa bei Sortimentsbeschrän- kungen.
Sehen Sie die Chance, dass unter Hendricks Nachfolger, dem CSU-Politiker Horst Seeho- fer, das Bundesbauministerium die Verein- heitlichung des Baurechts nun stärker voran- treiben wird?
Zumindest wurde im Rahmen des Wohngip- fels die Aufnahme der Typengenehmigung in die Musterbauordnung geplant. Darauf hat- ten sich die Landesbauminister zuvor in ihrer Bauministerkonferenz verständigt. Dies wäre ein erster Schritt in die richtige Rich- tung. Es braucht aber mehr. Der Bund kann daran mitwirken, die Unsicherheiten bezüg- lich der verschiedenen Bauordnungen und der Unterschiede zwischen den Ländern zu beseitigen. Vor allem im Bereich des preis- werten Wohnungsbaus, aber auch bei Wirt- schaftsimmobilien ist es möglich, Planungs- und Baukapazitäten frei zu bekommen. Wir erwarten, dass in diesem Jahr die Weichen gestellt und künftig in diesem Bereich mehr Sicherheiten für Entwickler und Investoren geschaffen werden. So umgehen wir teuren Planungsaufwand – vor allem im seriellen Bau.
Wie können Projektentwickler trotz der un- terschiedlichen Vorgaben in den 16 Landes- bauordnungen serielles Bauen vorantreiben,
Vor zwei Jahren hat die damalige Bundes- bauministerin Barbara Hendricks auf der Messe Bau 2017 angekündigt, das Baurecht der 16 Bundesländer vereinheitlichen zu wol- len. Geschehen ist bislang nichts, nicht zu- letzt wegen des Widerstands der Länder. Welche Folgen hat das für die Immobilien- wirtschaft?
Aktuell stellt sich die Situation so dar, dass die Planer und Entwickler von Wohn- und Wirtschaftsimmobilien auf 16 unterschiedli- che Landesbauordnungen schauen und die-
se durchprüfen müssen. Aber jede regionale Umplanung ist zeit- und kostenintensiv, was sich wiederum preistreibend auf die Kauf- und Mietpreise auswirkt. Für die deutsch- landweite Anwendung einmal genehmigter Typen ist diese baurechtliche Zersplitterung hinderlich. Um das serielle Bauen voranzu- bringen, braucht es daher eine verbindliche Festlegung bestimmter technischer Anfor- derungen in einer einheitlichen Bundesbau- ordnung. Dadurch könnte man das serielle Bauen erheblich voranbringen und die Her-
 Andreas Mattner
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© Anna-Lena Ehlers




















































































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