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GERMAN COUNCIL . INTERVIEWS
   rung aufbaut – wir reden hier über mehrere hundert Millionen Euro, die wir künftig nicht mehr vom Bund bekommen – dann kann ich dem nicht zustimmen. Wir wollen uns aber trotzdem so schnell wie möglich mit dem Bund verständigen.
lichster Wunsch ist es, dass wir ein pro-euro- päisches Parlament behalten. Dafür müssen wir werben. Ich nehme wahr, dass das Inter- esse an der Europawahl sehr viel größer ist als in der Vergangenheit. Die Menschen ha- ben zunehmend das Gefühl, sich auch selbst einbringen zu müssen, um ein stabiles Euro-
Das Interview führten
Susanne Osadnik,
Chefredakteurin des GCM, und Ingmar Behrens,
Bevollmächtigter des German Council of Shopping Centers
Verständigung ist ein
gutes Stichwort. Im
Januar wurde der Aa-
chener Vertrag unter-
zeichnet. Dabei geht
es um intensivere Zu-
sammenarbeit zwi-
schen Deutschland
und Frankreich. Mehr
als ein symbolischer Akt vor den Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai?
Ja, deutlich mehr. Deutschland und Frank- reich haben über einen gemeinsamen Wirt- schaftsraum verhandelt, über engere Zu- sammenarbeit in anderen Bereichen wie etwa Bildung und studentischer Austausch. Und das vor dem Hintergrund, dass es in an- deren europäischen Ländern vollkommen entgegengesetzte Entwicklungen gibt. Das ist schon eine enorme Chance.
Glauben Sie, dass dieses Signal der europäi- schen Stammländer noch rechtzeitig kommt? Im Mai steht die Europawahl an. Insofern wurde genau der richtige Zeitpunkt gesetzt, und ich hoffe, dass das auch in anderen Län- dern so wahrgenommen wird. Mein sehn-
pa zu erhalten.
Werden wir in fünf Jahren noch ein Euro- pa mit denselben Mit- gliedern wie heute ha- ben?
Ich bin nicht nur prag-
matisch, sondern habe auch den Anspruch an mich selbst, alles eher positiv als negativ zu sehen. Wer positiv an etwas herangeht, kann deutlich mehr errei- chen als derjenige, der sich an Horrorszenari-
en orientiert, die hoffentlich nicht eintreten.
›Mein sehnlichster Wunsch ist es, dass wir ein pro-europäisches Parlament behalten. Dafür müssen wir werben.‹
  Seit Juni 2017 regiert Daniel Günther (CDU) das Land Schleswig-Holstein in einer Koalition aus CDU, Grüne und FDP. Die sogenannte Jamaika- Koalition verfügt mit 44 von 73 Sitzen im Land- tag über eine deutliche Mehrheit. Grundlage für das Bündnis ist ein im Koalitionsvertrag ge- meinsam formuliertes Verständnis künftiger Ar- beitsweisen: »Politik ist Bewegung. Es ist mög- lich, Differenzen zu überwinden, man kann sich auf Fremdes einlassen, wenn man Zusammen-
hänge neu denkt. Wenn wir nicht auf den ausge- tretenen Pfaden ans Ziel kommen, müssen wir andere Wege gehen, Brücken bauen und Wag- nisse eingehen...«
Bis Ende August 2018 gehörte Robert Habeck dem Kabinett Günthers als Minister für Umwelt, Natur, Energiefragen und Digitalisierung an – bevor er zu einem der beiden Bundesvorsitzen- den der Grünen gewählt wurde.
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© Joerg Wohlfromm © Joerg Wohlfromm (3)





































































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