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GERMAN COUNCIL . INTERVIEWS
tung Hamburg. Mit der A20 ist auch die Überlegung verbunden, Verkehr um Ham- burg herumzuführen. Bei der Suche nach der ökologisch verträglichsten Variante für diese Autobahn sprechen wir auch mit den Natur- schutzverbänden. Ich stelle fest, dass es gut ist, die Verbindung von Ökonomie und Ökolo- gie auch innerhalb einer Regierung abbilden zu können.
Das sehen zumindest nicht alle Ihre Partei- enkollegen so ...
Ich kann nur sagen, wir haben großes Inter- esse daran, uns zu verständigen. Denn wir alle wissen: Es gibt nichts Schlimmeres als langwierige Gerichtsverfahren, die solche Vor- haben immer wieder verzögern.
Also, die A 20 kommt auf jeden Fall. Alles nur eine Frage der Zeit?
Ja, sie kommt definitiv. Die Koalition will aber keine unhaltbaren Versprechungen ma- chen. Deshalb gehen wir von einer Fertigstel- lung nicht vor 2030 aus. Unser Planungs- recht ist nun einmal so, wie es ist. Das ist nicht unbedingt eine gute Botschaft, aber es macht keinen Sinn, falsche Erwartungen zu wecken.
Ein anderes Großprojekt ist der Fehmarn- Belt-Tunnel. Da stockt es auch seit geraumer Zeit. Wie relevant ist dieser verkehrstechni- sche Anschluss an Dänemark für den Nor- den?
Für Schleswig-Holstein ist es ein außeror- dentlich wichtiges Projekt. Die Querung hat
aber auch gesamteuropäische Bedeutung. Es ist zwingend notwendig, dass dieses Vor- haben so schnell wie möglich umgesetzt wird. Die Verbindung ist nicht nur eine Rie- senchance für Schleswig-Holstein, sondern für die gesamte Region. Auch deshalb unter- stützt Europa das Projekt. Wir haben unse- ren Zeitplan bislang eingehalten und den Planfeststellungsbeschluss wie angekün- digt bis Ende 2018 hinbekommen. Was jetzt noch an Schwierigkeiten besteht, wird auf EU-Ebene sicher ausgeräumt werden. Da bin ich ganz zuversichtlich.
Sind Sie auch zuver- sichtlich, dass es in diesem Jahr wieder eine verlässliche Ver- bindung mit Sylt ge- ben wird?
Als Land Schleswig-
Holstein haben wir al-
les getan, um für Ver-
lässlichkeit zu sorgen.
Im Dezember gab es
mal wieder einen Mo-
nat ohne Strafzahlun-
gen, weil die Pünkt-
lichkeit sich verbessert hat. (Wegen häufiger Zugausfälle und Verspätungen hat Schles- wig-Holstein der Bahn Strafzahlungen aufge- brummt, die den geschädigten Pendlern zu- gute kommen soll; Anmerkung d. Red.) Im- merhin haben wir in Verhandlungen, die ich selbst – unterstützt von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz – geführt habe, die Bahn
dazu gebracht, in die Strecke zu investieren. Wir hoffen, dass die belastende Situation für Pendler, Unternehmen und Urlauber nun zü- gig beseitigt wird.
Wäre auch für den Tourismus gut, von dem das Land in erheblichem Umfang lebt. In den ländlichen Regionen ohne Wasserbezug sieht das allerdings anders aus. Wie wollen Sie verhindern, dass der ländliche Raum in Schleswig-Holstein dasselbe Schicksal erlei- det wie in Mecklenburg-Vorpommern?
›Ich bin überzeugt, dass unsere ländlichen Räume mit der Digitalisierung enorme Chancen haben, nicht nur vorhandene Arbeitsplätze zu erhalten, sondern auch zusätzliche zu schaffen.‹
Wir haben lebendige ländliche Räume. Ich bin überzeugt, dass diese Räume mit der Digitali- sierung enorme Chan- cen haben, nicht nur vorhandene Arbeits- plätze zu erhalten, son- dern auch zusätzliche zu schaffen. Wir sind das Flächenland in Deutschland, das weit vorne liegt beim Glas- faserausbau – übrigens hat das schon die Vorgängerregierung mit angeschoben. Das zahlt sich jetzt aus: 35 Pro- zent sind zwar noch nicht super, aber andere Bundesländer sind noch im einstelligen Be- reich. Unser Ziel ist es, bis 2025 eine Kom- plettversorgung zu erreichen. Das ist ehrgei-
zig, aber auch notwendig.
Digitale Infrastruktur ist das eine, Einkaufs- möglichkeiten vor Ort sind das andere. Wie
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© Joerg Wohlfromm (3)








































































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