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GERMAN COUNCIL . TRENDS
 Tatsächlich ist es Entwicklern längst gelun- gen, Roboter zu schaffen, die humanoide Formen haben – und sich dabei sogar noch effizienter als Menschen bewegen können. Zum Beispiel Atlas, von Boston Dynamics im Auftrag der Defense Avanced Research Pro- jekt Agency, der Hightech-Waffenschmiede des US-Verteidigungsministeriums, entwi- ckelt. Was der Roboter kann, zeigte sein Her- steller im vergangenen Oktober: Mit ihren beiden von Elektromotoren gesteuerten Bei- nen rennt die Maschine in rasantem Tempo über einen Hindernisparcour aus Sand, Schnee, Fels und Wasser, springt über Holz- stämme – und vollführt sogar einen Salto rückwärts.
Möglich macht dies ein hocheffizienter Computer, der mit Stereokameras und La- serentfernungsmessern das gesamte Um- feld scannt und die Maschine steuert. Mit ih- ren stählernen Händen öffnet sie Türen, schließt Ventile und räumt Trümmer weg. Und: Der rund 1,80 Meter große und 150 Kilo schwere Roboter ist sogar in der Lage, in ein Auto einzusteigen, den Zündschlüssel zu drehen, ein Automatikgetriebe in den Vor- wärts- und Rückwärtsgang zu schalten, Gas zu geben und das Fahrzeug zu einem Ziel- punkt zu steuern.
Trotz des militärischen Auftraggebers ist At- las offiziell für zivile Zwecke entwickelt wor- den. Er soll nach Katastrophen oder Terror- anschlägen Menschen aus eingestürzten
Gebäuden retten und in Sicherheit bringen. Für den US-Ingenieur Gary Bradski, Mitgrün- der des auf Wahrnehmungssysteme für Ro- boter und Maschinen spezialisierten Unter- nehmens Industrial Perception in Palo Alto, ist Atlas der Vorreiter »einer neuen Spezies – des Robo Sapiens«. Etliche Wissenschaft- ler hingegen sehen in Atlas den Urtyp einer ganz anderen Art: des Maschinensoldaten. »Die Entwicklung und der Einsatz von Killer- robotern würde etablierte moralische und rechtliche Standards untergraben«, sagt Bonnie Docherty, leitende Waffenforscherin bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Würden Staaten in größerer Zahl über solche Tötungsmaschinen verfü- gen, wären sie schneller bereit, in Kriege zu ziehen, weil sie nicht das Leben ihrer Solda- ten gefährden müssten.
Rechner haben keine schlechte Laune
Mehr als 2.400 Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmer, die an der Entwicklung von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und von Robotern arbeiten, sind inzwischen einer im vergangenen Jahr von Human Rights Watch gestarteten Kampagne gegen Maschinensoldaten beigetreten. Sie haben sich verpflichtet, nicht an deren Entwicklung zu arbeiten und ihr Fachwissen nicht für mili- tärische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen die Mitarbeiter von Alphabets KI-Unternehmen Deep Mind, der Leiter von Googles KI-Forschungsabteilung, Jeffrey
Dean, Tesla-Chef Elon Musk, Skype-Entwick- ler Jaan Tallinn, das University College of London und die European Association for Ar- tifical Intelligenz.
Der Zwiespalt zwischen Komfort und Un- wohlsein bei der Nutzung der künstlichen In- telligenz – im Englischen »artifical intelli- genz« genannt – zeigt sich bei Callcentern. Immer mehr Unternehmen setzen geduldige Computer mit Sprachsoftware ein, um ein- gehende Anrufe zu filtern und an die jeweils zuständigen Mitarbeiter weiterzugeben. Po- sitiv für die Kunden ist dabei, dass sie in die- ser ersten Direktionsphase nie an einen misslaunigen Mitarbeiter geraten – Rechner sind nie in schlechter Stimmung. Gleichzei- tig müssen Unternehmen bei Befragungen regelmäßig den Unmut ihrer Kunden hinneh- men: Sie wollten lieber mit einem Menschen als mit einem Computer sprechen.
Apple, Vorreiter bei der Entwicklung des Per- sonal Computers und des Smartphones, setzt deshalb beim Vertrieb seiner Produkte konsequent auf Menschen. Verkaufsberater erläutern in den Apple-Stores detailliert die Unterschiede zwischen den einzelnen iPho- nes, zwischen MacBook Air und Macbook Pro und dem iMac. Auf Wunsch werden beim Kauf sogar kostenlos sämtliche Daten vom alten Rechner auf das neue Apple-Gerät übertragen. Zuhause muss der Kunde den Mac nur noch anschalten und kann loslegen.
Ein Beitrag von Richard Haimann, freier Journalist
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