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GERMAN COUNCIL . TRENDS
Geniale Helfer, präzise Handwerker
Sie können operieren, Menschen aus Trümmern retten, Automobile selbstständig steuern: Roboter und Künstliche Intelligenz machen das Leben immer leichter. Dennoch bereitet die Digitalisierung auch Unbehagen. Viele Menschen haben Angst davor, eines Tages den Maschinen, die wir geschaffen haben, ausgeliefert zu sein
runtergeladen, muss das Smartphone am Eingang des Geschäfts nur an eine Schranke gehalten werden. Von da an registrieren Dut- zende Kameras und Sensoren sowie in den Boden eingelassene Waagen, welche Artikel ein Käufer aus den Regalen nimmt und in seine Einkaufstasche legt. Sobald die Kun- den den Laden verlassen, werden die addier- ten Preise aller erworbenen Artikel von deren Amazon-Konto abgebucht.
Seit der Eröffnung des ersten kassenlosen Supermarktes Anfang vergangenen Jahres hätten Kunden ihr Einkaufserlebnis immer wieder »als magisch« bezeichnet, sagt Ama- zon-Vorstandschef Jeff Bezos. »Was die Ma- gie ermöglicht, ist eine maßgeschneiderte Kombination aus Vision, Sensortechnik und stetigem Lernen, die erst zusammen dieses ›Einfach einkaufen und rausgehen‹ ermögli- chen.« In den kommenden fünf Jahren will Amazon weitere 3.000 solcher Geschäfte er- öffnen, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Damit würde der Konzern zu einem der größten Anbieter im Convenience-Food- Segment in den USA werden.
Roboter-Hände zittern nicht
Auch im stationären Handel wird digitale Technik immer stärker genutzt. Ein Beispiel dafür ist der US-Shopping-Center-Gigant Si- mon Property. Der Besitzer und Betreiber von 325 Einkaufszentren bietet jetzt in seiner »Mall of Georgia« nahe Atlanta mit der App MyPark Parkplatzreservierungen an. Kunden können sich über das Smartphone für eine von ihnen gewünschte Uhrzeit einen Stell- platz für ihr Auto nahe der Hauptübergänge des Parkhauses zur dreistöckigen Megamall mit mehr als 200 Geschäften und 21 Kinosä- len sichern. Displays zeigen an, welcher Parkplatz für welches Fahrzeug reserviert ist. Um per App vorbestellte Waren bequem abholen zu können, können die Fahrzeuge kostenlos 30 Minuten abgestellt werden. Weitere Shopping Center sollen sukzessive mit der Technik ausgestattet werden.
Einkaufen ohne Kasse und Parkplatzreser- vierungen per Internet sind undenkbar, als die Digitalisierung in den 1950er Jahren ihre Anfänge nimmt. Im ersten Schritt werden programmierbare Maschinen entwickelt, um den Menschen schwere Arbeiten abzuneh- men. Der erste Roboter, ein Gebilde aus
Er hat vier Arme, steht auf nur einem Bein und ist 2,4 Millionen Euro wert: »Da Vinci« ist zwar nicht ganz so genial wie sein Namens- geber, der Universalgelehrte Leonardo da Vinci. Der brachte in seiner Lebzeit von 1452 bis 1519 Architektur, Botanik, Geometrie, Geologie, Kunst und Mathematik voran; kon- struierte Brücken, Zahnradgetriebe und Flug- zeuge und bannte die Mona Lisa auf Lein- wand. Aber der moderne Namensträger des berühmten Italieners hat ebenfalls Fähigkei- ten, die nicht zu verachten sind: Das Werk der kalifornischen Hightech-Schmiede Intui- tive Surgical ist ein Medizinroboter. Mit ihm können Chirurgen mit höchster Präzision mi- nimalinvasiv operieren.
»Die Therapie mit einem Da Vinci-Roboter ist mittlerweile der Gold-Standard in der moder- nen operativen Behandlung«, sagt Dr. Alexan- der Beham, Chefarzt für Allgemein- und Vis- zeralchirurgie am Kreisklinikum Siegen. Nach
inzwischen mehr als 200 Operationen mit dem Roboter zählt er zu den in der Handha- bung der Maschine versiertesten Medizinern Deutschlands. »Da Vinci arbeitet unglaublich exakt; er zittert nicht.«
Die Maschine von Intuitive Surgical gilt inter- national in der Medizintechnik als das Aus- hängeschild eines Trends, der die Welt in den kommenden Jahrzehnten massiv verändern wird: Die Digitalisierung, gespeist von den Makrotrends Robotik und Künstliche Intelli- genz, häufig mit dem Kürzel KI bezeichnet, bringt den Menschen bereits heute Annehm- lichkeiten, die sich noch vor 20 Jahren Auto- ren von Sciene-Fiction-Romanen nur in ihren kühnsten Träumen ausmalten. Per Internet und Mobilfunk lässt sich in Echtzeit weltweit kommunizieren. Um Musik zu hören, müs- sen nicht mehr umständlich Schallplatten aufgelegt oder Tonkassetten abgespult wer- den – in kleine digitale Dateien verpackt las- sen sich zehntausende Klassikkonzerte, Pop- und Rocksongs auf dem Smartphone speichern und jederzeit nach Belieben ab- spielen. Und Prototypen autonomer Automo- bile können heute schon selbstständig fah- ren. Sukzessive wird der Alltag immer leich- ter – auch das Einkaufen.
Einfach einkaufen und rausgehen – bezahlt wird später
So nutzt der E-Commerce-Gigant Amazon die Digitalisierung, um immer stärker in den stationären Handel vorzudringen. In inzwi- schen neun Convenience-Food-Geschäften in Seattle, Chicago und San Francisco kön- nen Kunden shoppen, ohne anschließend in einer Schlange an der Kasse warten zu müs- sen. Möglich macht dies eine App. Ist sie he-
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© Kreisklinikum Siegen



















































































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