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GERMAN COUNCIL . TRENDS
Trendwörter 2019
Wichtige Schlüsselworte für die kommenden Jahre
Localnomics: Die Globalisierung hat ihren Zenit überschritten, nun entstehen wieder lo- kale Ökonomien, von der dezentralen Le- bensmittelversorgung bis zur lokalen Solar- und Windenergie und zum lokalen Laden in Bürgerhand. Die Kohle bleibt im Kiez oder im Dorf.
Napflixen: Begriffskombination aus dem eng- lischen Wort »nap« (Nickerchen) und dem On- line-Streamingdienst Netflix. Man napflixt, wenn man sich zum Einschlafen eine lange Netflix-Serie reinzieht, aber nicht so richtig zu- hört oder zusieht, eingelullt von dem guten Gefühl, dass noch viele ungesehene Serien auf einen warten.
Premium Mediocre: Der Begriff beschreibt eine Marketingstrategie, die uns mittelmäßi- ge Leistungen und Dinge unter dem Premi- umetikett verkauft. Nachdem die Sitze der Economy-Klasse im Billigflugzeitalter auf Sandwich-Format zusammengeschraubt wer- den, ruft man Sitze, auf denen man noch eini- germaßen sitzen kann, als hochpreisiges Premiumprodukt aus. Der Blogger Venka- tesh Rao schreibt: »Premium Mediocre ist al- les, was nur gerade so viel premium in sich trägt, dass die wesenseigene Mittelmäßig- keit des Produkts nicht ruiniert wird.« (Maak 2017)
»Opfer« von Rasenmäher-Eltern: Helmpflicht überall
Rasenmäher-Eltern: Neuer Typus von Heli- kopter-Eltern, die alles tun, um ihren Kindern einen glatten Rasen zu garantieren und sie vor Auseinandersetzungen oder Misserfol- gen zu schützen: »Anstatt ihre Kinder auf Herausforderungen vorzubereiten, mähen sie Hindernisse nieder, sodass ihre Kinder sie gar nicht erst zu spüren bekommen.« (Metzler 2018). Rasenmäher-Eltern bringen dem Nachwuchs veganes Pausenbrot in den Unterricht oder verhandeln bessere Noten mit den Lehrern.
Retrotopia: Beschreibung des Mindsets ei- ner sich rückwärts orientierenden Gesell- schaft, definiert vom polnischen Philoso- phen Zygmunt Bauman. Die Zukunft ist darin kein Hoffnungsraum mehr, sondern ein Aus- blick voller Probleme. Die Vergangenheit scheint die Hoffnung zu bergen, dass die Zeiten besser sein könnten. In retrotopi- schen Kulturen setzen sich Propheten des »Great Again« durch.
Rise of the Rest: Donald Trump fand seine Basis in den Provinzen des Mittleren Wes- tens. Auch in Europa gibt es »hoffnungslo- se« Regionen, in denen Niedergang und Landflucht kaum zu stoppen sind. Aber was ist mit dem Rest? »Rise of the Rest« meint den (Wieder-)Aufstieg jener Regionen und Mittelstädte, die wir bislang nicht auf dem Schirm hatten, die aber über großes Potenzi- al verfügen. In der Umkehrung des Mega- trends Urbanisierung werden demnächst Städte zwischen 30.000 und 100.000 Ein- wohnern eine Renaissance erleben (siehe dazu auch die Studie »Futopolis – Stadt, Land, Zukunft«, Zukunftsinstitut 2018).
Slacktivismus: Von »Slacking«, Herumhän- gen, und Aktivismus. Das kommunikative In- ternet führt uns in die Illusion, etwas getan zu haben, wenn wir uns einfach nur vor dem Bildschirm moralisch aufregen. Wir »mei- nen« ständig etwas, regen uns über Unkor-
Angenehm Schlummern dank Netflix?
rektheiten auf, verursachen oder wehren uns gegen Shitstorms, aber all das hält uns von wahrem Engagement nur ab. Es führt zu ei- ner zynischen, besserwisserischen Welthal- tung.
Smupid: Synthese aus »smart« und »stu- pid«, erfunden von Douglas Coupland. Sie beschreibt die Erfahrung, dass das »Smar- te« und das Nervige/Komplizierte/Blöde oft ziemlich nahe beieinanderliegen. Zum Bei- spiel dieser wunderbare internetgesteuerte Eierkocher oder das Ding mit 20 Knöpfen plus Touchscreen, das man mal für eine Mi- krowelle hielt, verkauft unter der unglaublich schlau klingenden Rubrik »Internet of Things«.
Superdiversität: Ein Puzzle von Minderhei- ten, von denen keine mehr einen Mehrheits- status hat und haben kann. Die verschiede- nen Interessen gleichen sich dadurch zu ei- nem dynamischen Gleichgewicht aus. Su- perdiversität herrscht in den großen, wirklich multikulturellen Städten wie London – oder auch im Frankfurter Bahnhofsviertel: Es be- steht inzwischen aus so vielen Ethnien und Kulturen, dass ein spaltender Kulturkrieg mit klaren Fronten, etwa »Ausländer gegen Deut- sche«, unmöglich ist. Geprägt wurde der Be- griff von dem Migrationssoziologen Aladin El-Mafaalani.
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