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 Blieben vom jüngsten Hackerangriff nicht verschont: Angela Merkel und Peter Altmaier im Deutschen Bundestag
Händler, deren Webshops so gefälscht nach- gebaut werden, sehen sich dabei gleich einer ganzen Palette von Risiken ausgesetzt. Bes- tenfalls ist nur ihr Ruf bei einigen Kunden an- gekratzt, wenn sie diese wegen der nicht be- zahlten Rechnung mahnen. Schlimmsten- falls drohen Klagen wegen Datenschutz-, Persönlichkeits-, Markenrechts-, Urheber- rechts-, und Wettbewerbsverletzungen. »Für Händler ist es daher wichtig, sich entspre- chend zu schützen«, sagt Weber. In Deutsch- land seien solche Gerichtsverfahren »noch relativ selten«, sagt Paul Voigt, Fachanwalt für IT-Recht bei der internationalen Wirt- schaftskanzlei Taylor Wessing. »In Großbri- tannien und den USA sind entsprechende Klagen aber bereits ein großes Thema.« Ins- besondere dann, wenn Geschäftskunden des gehackten Unternehmens betroffen sind – und diese dadurch Verluste erleiden, weil die Cybergangster Geschäftsgeheimnisse gestohlen haben.
Der »Feind« sitzt manchmal nebenan
Nicht immer kommt der Feind von außen. »An etwa der Hälfte aller Datenverluste sind Innentäter beteiligt«, sagt Michael Bauner,
Geschäftsführer der auf Datenschutz spezi- alisierten Gesellschaft Endpoint Protector in Friedrichshafen. Manchmal wollen Beschäf- tigte mit Datenklau Geld verdienen, manch- mal wollen sich frustrierte Mitarbeiter an ih- rem Arbeitgeber rächen. Doch nicht immer stecke kriminelle Energie dahinter, wenn sensible Daten aus dem Unternehmen her- aus in falsche Hände gelangen. Manchmal sind es schlicht Flüchtigkeitsfehler: Schnell ist ein falscher Adressat bei einer E-Mail an- gegeben oder ein falsches Dokument beim Upload in einen Cloudspeicher entwischt.
Deshalb müssten Netzwerke nicht nur ge- gen Angriffe von außen, sondern auch ge- gen Vergehen und Fehler eigener Mitarbei- ter geschützt werden, sagt Daniel Nill, Ge- schäftsführer der auf die Entwicklung von Online-Marktplätzen spezialisierten Berliner Beratungsgesellschaft Turbine Kreuzberg. »Keine Person und kein System soll ohne Zugriffsrechte in der Lage sein, ein Netz- werk oder eine Software zu betreten oder zu nutzen.« Deshalb müssten auch sämtliche Daten auf Festplattenpartitionen und Back- ups durch Verschlüsselungstechnologien gesichert sein.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung im Handel werden die Sicherheitsherausforde- rungen immer größer und komplexer. »Es gilt die IT-Systeme der Filialen, des Online-Shops sowie die Daten der Kunden, Partner und Lie- feranten zu schützen«, sagt Thomas Jesew- ski, Gründer und Vorstand der auf die Opti- mierung von E-Commerce-Strategien fokus- sierten Düsseldorfer Beratungsgesellschaft aifora, die den Einzelhandel für den Wettbe- werb mit großen Online-Playern wappnen will. Insbesondere kleinen und mittelständi- schen Händlern fehle das Wissen, um sich erfolgreich gegen Cyber-Attacken zu schüt- zen. Dabei gebe es längst »IT-Sicherheitslö- sungen für kleinere Budgets«, sagt Jesewski.
Datenklau im stationären Laden
Dazu zählen moderne IT-Installationen, die auf der Cloud-Technik basieren. Bei ihnen werden sämtliche Daten über das Internet auf massiv gesicherte Server abgespeichert. Cloud-Anbieter wie Apple, Azure, AWS, Goog- le oder Microsoft betreiben hohen Aufwand, um die Informationen gegen ungesicherten Zugriff zu schützen. Bewahren Firmen ihre Daten hingegen auf einem eigenen Rechner
GERMAN COUNCIL . TRENDS
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