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GERMAN COUNCIL . TRENDS
 Beispiel Bioland: Während sich Bioland-Be- triebe zu 100 Prozent den Regeln und Aufla- gen des Labels unterwerfen, können Betriebe unter Öko-Verordnung teilweise ganz kon- ventionell Landwirtschaft betreiben. Bioland- Betriebe bekommen exakt vorgeschrieben, wie viel Stickstoff sie wo einsetzen dürfen. Es gibt Regeln für die Aufzucht von Junghen- nen, wie viele Schweine, Kühe oder Hühner auf wie viel Hektar Fläche zu halten sind und welche Wirkstoffe bei Medikation absolut tabu sind. Bei anderen Betrieben – etwa de- nen, die für Aldi anbauen und produzieren – gibt es in vielen Punkten keinerlei Beschrän- kung. Lidl will mit seiner Bioland-Kooperation nach eigenen Angaben neue Maßstäbe set- zen – und so weitere Kunden gewinnen: »Ge- meinsames Ziel ist es, hochwertige und hei- mische Bio-Produkte auf breiter Basis in die Gesellschaft zu bringen sowie sich langfristig für die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Land- und Lebensmittelwirtschaft einzuset- zen. Dazu soll schrittweise konventionellen Betrieben oder EU-Bio-Betrieben die zu- kunftsfähige Umstellung auf Bioland-Kriteri- en ermöglicht werden, sodass eine ausrei- chende Versorgung mit Bioland-Rohstoffen
gewährleistet ist. Gleichzeitig erhalten Erzeu- ger und Herstellerbetriebe dadurch neue und dauerhaft sichere Absatzmöglichkeiten«, lässt das Unternehmen wissen.
Demeter: das nachhaltigste Bio-Label
Kaufland geht sogar noch weiter als Lidl. Um überhaupt noch Anschluss an den schon ra- sant fahrenden Bio-Produkt-Zug zu bekom- men, haben sich die Baden-Württemberger, die Teil der Schwarz Gruppe sind, mit Deme- ter das älteste und nachhaltigste Bio-Label ins Haus geholt. Auf Demeter-Höfen darf nur 100 Prozent Bio-Futter an die Tiere verteilt werden, zwei Drittel davon müssen von De- meter selbst sein; mindestens 50 Prozent vom eigenen Hof oder einer Betriebskoope- rative kommen. Nur wenige absolut notwen- dige Zusatzstoffe und Prozesshilfsstoffe sind in der Verarbeitung von Demeter-Produkten erlaubt. Jodierung, Nitritpökelsalz und soge- nannte natürliche Aromen sind verboten. AusschließlichAromaextraktesindzugelas- sen. Die EU-Bio-Verordnung erlaubt noch Zu- satzstoffe, die bei Demeter tabu sind. Bei Ge- treide dürfen nur samenfeste Sorten verwen-
det werden, Hybridsorten sind ausgeschlos- sen. Generell dürfen keine Sorten aus Zellfu- sionstechnik verwendet werden.
Rund 1.600 Landwirte wirtschaften auf 80.000 Hektar Fläche biologisch-dynamisch. Insgesamt wird aktuell eine Ackerfläche von 1,37 Millionen Hektar ökologisch bearbeitet – und es wird von Jahr zu Jahr mehr. Allein 2017 soll laut Bundesministerium für Ernäh- rung und Landwirtschaft die Öko-Fläche um 20.000 Hektar (9,7 Prozent) gewachsen sein; haben 2.200 Landwirte auf Öko umgestellt. Der Lobbyverband der Ökobauern sieht sich durch solche Zahlen bestätigt und fordert Bundesministerin Julia Klöckner auf, »alle Stellschrauben auf 20 Prozent Ökolandbau bis 2030 auszurichten« – immerhin hat die Große Koalition dieses Ziel im Koalitionsver- trag festgelegt.
Für einen weiteren Ausbau des Ökolandbaus sprechen auch die Verbraucherzahlen: Seit 2004 hat sich der Bio-Anteil an Lebensmittel- ausgaben mehr als verdreifacht, hat die Ge- sellschaft für Konsumforschung (GfK) he- rausgefunden.
Ein Beitrag von Susanne Osadnik, Chefredakteurin GCM
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