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GERMAN COUNCIL . TRENDS
Faire Bananen, glückliche Schweine
Bio ist in. Bio ist korrekt. Bio ist gut – für die Umwelt, für die Tiere, für das eigene Gewissen – und erst recht fürs Geschäft. Denn Bio-Produkte gibt es längst nicht mehr nur auf den Höfen von Demeter, Bioland & Co zu kaufen, sondern in fast jedem Lebensmittelgeschäft. Die Discounter sind mit eingestiegen in den Handel mit Bio-Waren und kämpfen um lukrative Marktanteile
Die Banane steht wie keine andere Frucht für Ausbeutung von Ressourcen, schlechte Ar- beitsbedingungen vor Ort und internationa- len Preiskampf. Wer die Banane nachhaltig, fair und ökologisch unbedenklich anbauen und verkaufen lässt, sammelt Pluspunkte. Denn längst beherrschen nicht mehr nur Preise die hart umkämpften Lebensmittel- märkte: Angesichts der Fülle an Waren und Anbietern spielen öffentliche Wahrnehmung und Image entscheidende Rollen. Dazu passt auch der stetig wachsende Anteil an Bio-Produkten in Geschäften, in denen man sie noch vor zehn Jahren niemals gefunden hätte. Bio ist selbst bei Discountern ein Ver- kaufsschlager geworden – wenn sich der Marktanteil am Gesamtumsatz auch noch in Grenzen hält. 2017 lag der Bio-Umsatz deutschlandweit zwar schon bei gut 10 Milli- arden Euro – eine Steigerung von knapp 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig machen Bio-Produkte aber lediglich 5 Pro- zent des gesamten Lebensmittelumsatzes aus (2016). Aber: Nur 29 Prozent des Ge- samtumsatzes werden in Naturkostfachge- schäften erzielt, 12 Prozent auf Wochen- märkten, Hofläden oder in Metzgereien. Fast 60 Prozent werden hingegen bereits im Le- bensmitteleinzelhandel erwirtschaftet, teilte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kürzlich mit.
Nur Briten sind bei Lebensmitteln geiziger als Deutsche
So wundert es kaum, dass sich alle Lebens- mittelhändler mächtig ins Zeug legen, um ganz vorne mitzuspielen. Über Preise wird dabei nicht geredet. Für gewöhnlich ist der Preis eines Produktes ein entscheidendes Kriterium für die Deutschen, die so wenig wie kaum ein anderes Land für Lebensmittel ausgeben. Laut einer Untersuchung des Fi- nanzportals Vexcash gibt der deutsche Mi- chel gerade 10,3 Prozent seines Einkom- mens für Lebensmittel aus. Nur die Briten sind mit gut 8 Prozent noch geiziger. Zum Vergleich: Den Kroaten ist Nahrung mit ei- nem gut 30-prozentigen Anteil am monatli- chen Budget dreimal so viel wert. Und in Ni- geria gibt man sogar mehr als die Hälfte sei- nes Einkommens für Essen aus.
Geht es um biologisch erzeugte Waren, sind hingegen immer mehr Deutsche bereit, mehr auszugeben. Über Supermärkte und Dis- counter lässt sich eine stetig wachsende
Wer hätte gedacht, dass man sich in diesem Land noch jemals um Bananen streiten wür- de? Doch seit Kurzem beharken sich die Le- bensmittelhändler Lidl und Edeka, wer von beiden behaupten darf, der Pionier im Ver- trieb von Bio-Bananen zu sein. Anlässlich der Branchenveranstaltung »Grüne Woche« in Berlin – ein absolutes Muss für alle Lebens- mittelhändler in Deutschland – proklamierte der Discounter Lidl für sich: »Nach der Um- stellung sind wir der erste Lebensmittelhänd- ler in Deutschland, der ausschließlich Fair- Trade-Bananen anbietet.« Im selben Atem- zug forderte das Unternehmen seine Wettbe- werber auf, künftig dem eigenen guten Bei- spiel zu folgen und eine »verantwortliche
Preispolitik« zu betreiben. Das schmeckte der Konkurrenz wenig; vor allem der An- spruch Lidls auf die Führungsrolle im Bio-Zir- kus sorgte für Missmut. So verwies bei- spielsweise Edeka prompt darauf, schon seit 2017 gemeinsam mit World Wild Fund (WWF) den Bananenanbau umwelt- und sozi- alverträglicher zu gestalten. Dazu habe man mit Farmen in Kolumbien und Ecuador Ver- träge geschlossen, die sich strengen Aufla- gen unterwerfen und beispielsweise auf den Einsatz von Pflanzenschutzmittel verzichten. Das Ergebnis: Binnen zwei Jahren sei der Pestizideinsatz um ein Drittel gesenkt wor- den, alle Beschäftigen seien sozialversichert beschäftigt, Kinderarbeit gäbe es keine.
 Zankapfel »Banane«: Der Lebensmittelhandel streitet um das »fairste« Obst
16 GCM 1 / 2019
© IsaacFryxelius – pixabay.com























































































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