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GERMAN COUNCIL . INTERVIEWS
  Das dürfte deshalb schwierig werden, weil es auch europäische Länder gibt, die Steuerpara- diese sind. Die gibt es übrigens auch innerhalb Deutschlands. Wir haben mit dem rheinischen Monheim so einen Ort, an dem sich viel Gewer- besteuer sparen lässt. Das Ganze funktioniert so: Es gibt eine Firmenneugründung, die die Paten- te eines Unternehmens verwaltet – bei einem großen Konzern in Leverkusen ist das beispiels- weise so. Die Patentverwaltung ist nach Mon- heim gezogen, wo die Gewinne des Leverkuse- ner Konzerns hinfließen – als Kosten für die Nut- zung der Patente. Das könnte man natürlich un- terbinden, indem man gesetzlich festlegt, dass nur ein bestimmter Prozentsatz für die Nutzung von Patenten überwiesen werden darf. Aber da spielen die Bundesländer nicht mit. Nicht jeder hat einen großen Konzern bei sich ansässig oder sieht auch nur die Chance, dass ein großes Un- ternehmen sich bei ihm ansiedelt. Eine Patentfir- ma hingegen könnte man schon eher bekom- men. Es ist halt eine Frage von Interessenpolitik im Bund und auch in der Europäischen Union. Während wie hierzulande aber wenigstens noch Mehrheitsentscheidungen haben, gibt es bei der EU in vielen Bereichen eine Einstimmigkeitsklau- sel. Das sollte sich unbedingt ändern. Ich denke, wir brauchen dringend eine Reform der europäi- schen Mehrheitsfindung. Man könnte dann viel mehr durchsetzen.
Werden Amazon & Co irgendwann bei uns Steu- ern zahlen müssen?
Es ist nicht auszuschließen. Aber so lange die Sorge herrscht, dass es daraufhin sofort aus den USA eine Gegenreaktion in Form von wirtschaft- lichen Sanktionen geben könnte, wird nicht viel passieren. Nichts zu tun und alles auszusitzen, ist
Norbert Walter-Borjans, geboren 1952, Mitglied der SPD, war Staatssekretär und Regierungsspre- cher in NRW und im Saarland, Wirtschaftsdezer- nent und Stadtkämmerer in Köln und von 2010 bis 2017 Finanzminister des Landes Nordrhein- Westfalen. Norbert Walter-Borjans lebt in Köln.
  Wie stehen Sie zu einem neuen Dienst- wagen? E-Mobil, Hybrid, Diesel, Benzin oder gar kein eigenes Auto mehr?
Als modernes und innovatives Sicher- heitsunternehmen mit einem Fuhrpark von mehr als 140 Fahrzeugen beschäfti- gen wir uns schon geraume Zeit mit dem Thema »Mobile Perspektiven«.
Dabei setzen wir im Kurzstreckenbereich auf E-Mobilität sowie schadstoffarme und klimafreundliche Fahrzeugmotorisierun- gen. Die aktuell im Fuhrpark vorhandenen Dieselfahrzeuge verfügen bereits heute ausschließlich über eine Euro-6-Norm.
ANDREAS BRINK
Geschäftsführung Westdeutscher Wachdienst GmbH & Co. KG
  GCM5/2018
allerdings auch keine Lösung. Das ist nicht das, was Bürger von Politikern erwarten. Wir müssen dringend etwas unternehmen, um uns in Sachen Datenhoheit aus der Abhängigkeit außereuropä- ischer Monopolisten zu befreien. Und wir Euro- päer müssen uns überlegen, ob wir zwischen ei- nem immer stärker werdenden China und den USA wirtschaftlich zerrieben werden wollen oder durch mehr Geschlossenheit auch nach außen wirklich die Kraft werden, die wir eigentlich schon sind.
Das Gespräch führte
Susanne Osadnik,
Chefredakteurin German Council Magazin
© Alle Fotos: Kai Swillus / buntmetall.net
© Kai Swillus / buntmetall.net


















































































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