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GERMAN COUNCIL . INHALTEffiziEnzGERMAN COUNCIL . EffIzIENzMIT INSPIRATION UND TRANSPIRATIONZU NACHHALTIGKEIT UND EFFIZIENZDas German Council-Magazin blickte im Interview mit WISAG-Gründer Claus Wisser   zurück auf das Lebenswerk des 74-jährigen hessischen Unternehmers und MäzensGERMAN COUNCIL . EffIzIENzEr ist ein Unternehmer der alten Schule. Nicht als Tellerwäscher, sondern als Teppichklopfer und Bodenschrubber machte er seine ersten Schritte in der Arbeitswelt. Der in Wiesbaden geborene und in Frankfurt lebende Claus Wisser hat nicht nur die WISAG zu einem der größten Gebäudedienstleistungsunterneh- men Deutschlands mit inzwischen über 48.000 Mitarbeitern wachsen lassen, sondern auch seinem langjährigen Freund Michael Herrmann beim Au au des Rheingau Musik Festivals – Deutschlands größte Konzertreihe – geholfen. Das German Council Magazin traf den 74-Jährigen zu einem großen Lebens- werk-Interview und erfuhr dabei einige be- merkenswerte Dinge.Welches war Ihr erster Berufswunsch? Claus  Wisser:  Mein  Vater,  Jahrgang  1893,  Kriegsteilnehmer  im  Ersten  und  zweiten  Weltkrieg,  hatte  sein  Handwerk  Einzelhan- delskaufmann  bei  einem  Kolonialwaren- händler  in  Travemünde  gelernt.  Nach  ver- schiedenen  Stationen  kam  er  nach  Wiesba-  GCM 4 / 2016den und hatte dort in bester Lage ein eigenes  Geschäft  aufgebaut.  Der  familie  ging  es  des- halb  nach  dem  Krieg  ausgesprochen  gut  –  man  hatte  zu  essen.  Mit  der  zeit  entwickelte  sich  der  Handel  weiter;  Selbstbedienung  war  auf  einmal  in  aller  Munde.  Diesen  Schritt  je- doch hat mein Vater nicht geschafft und des- halb 1956 sein Geschäft geschlossen. Die Exis- tenz der familie war nicht gesichert und eine  Phase größter Armut begann. Ich war 14 Jah- re  alt  und  verbrachte  künftig  alle  ferien  mit  ferienjobs. Die schöne zeit mit Lateinnachhil- fe,  Klavierunterricht  und  dem  Schwimmsport  war  vorbei  –  mit  einem  Schlag  war  ich  er- wachsen! Nach der Mittleren Reife weiter zur  Schule  zu  gehen,  ging  aus  wirtschaftlichen  Gründen nicht mehr. Es lag nahe, eine Lehre  zu beginnen. Was wollten Sie denn werden? Claus Wisser: Aufgrund meiner naturwissen- schaftlichen  und  technischen  Begabung  schlug  mein  Vater  eine  Ausbildung  zum  Schlosser vor, verbunden mit der Chance, spä- ter Ingenieur zu werden.Schon  damals  mussten  auch  Lehrlingsanwär- ter Aufnahmeprüfungen machen, die ich sehr  gut bestand. Leider kam es nicht zu einer An- stellung. Dem Ausbildungsleiter passte nicht,  dass  ich  nach  der  Lehre  –  entgegen  seiner  Vorstellung  –  das  Unternehmen  verlassen  wollte,  um  zu  studieren.  Ein  Weg  zur  Berufs- beratung  beim  Arbeitsamt  ergab  eine  Emp- fehlung  für  den  Steinkohlebergbau.  Meine  Kriterien  -  Auszug  von  zuhause,  auskömmli- ches  Einkommen  und  zukunftschancen  –  wa- ren gewährleistet. Wenn man mir stattdessen  das Hotelgewerbe angeboten hätte, was mei- ner Dienstleistungsseele entsprach – ich hätte  es  sofort  gemacht.  Aber  es  kam  anders.  Ich  ging weiter zur Schule und habe nachmittags  gearbeitet.Wie haben Sie damals gelebt, gewohnt? Claus  Wisser:  Ich  zog  aus  der  elterlichen  Wohnung aus, mietete mit drei freunden für  jeweils  50  Mark  pro  Person  ein  zimmer  in  ei- nem  nicht  ausgebauten  Dachstuhl  eines  Alt- baus.  Die  Ausstattung  war  bescheiden:  ein  Bett, ein Tisch, ein Stuhl, keine Heizung, kein  fließend  Wasser,  ein  gemeinsames  Waschbe- cken und eine Toilette auf dem flur. Dennoch  war ich stolz, mich selbst finanzieren zu kön- nen. Wer unternehmerisch handeln will, darf  über  so  etwas  nicht  heulen.  Der  muss  es  als  Chance  sehen,  was  ich  auch  damals  tat.  Spä- ter  dann,  nach  meinem  Abitur,  ging  ich  für  ein Jahr nach England, um meine Sprachdefi- zite  zu  verbessern.  Das  Praktikum  in  einem  Schulbuchverlag  brachte  ein  Einkommen  von  einem Pfund die Woche. Den Rest zum Leben  verdiente  ich  als  Hilfskraft  in  einer  Bar  in  Soho. Wem oder was verdanken Sie denn diese au- ßergewöhnliche Disziplin? Claus  Wisser:  So  außergewöhnlich  war  das  doch  gar  nicht.  Mein  eigener  Sohn  ist  auch  mit  17  ausgezogen,  wenn  auch  in  eine  nicht  sonderlich  gut  ausgestattete  Wohnung  aus  dem eigenen Immobilienbestand. GCM 4 / 2016  impressumherausgeberGerman Council of Shopping Centers e. V. Bahnhofstraße 29 D-71638 Ludwigsburg Telefon 07141.38 80 83 Telefax 07141.38 80 84 office@gcsc.de www.gcsc.debeauftragter des herausgebers Rüdiger PleuschefredaktionThorsten Müller (v.i.S.d.P.)redaktionsteam dieser ausgabe Tobias Appelt, Denis de Haas, David Huth, Rahel WillhardtbezugMitgliederzeitschrift für Mitglieder des GCSC e. V.auflage16.500Covermotivmalerapaso – istockphoto.comverlagGCM-Verlag c/oBehrens und Behrens GmbH Geschäftsführer und Verleger: Ingmar Behrens Dorfstraße 6424107 Kiel-Ottendorf Telefon: 0431.66 111 88 11 Telefax: 0431.66 111 88 88 www.behrensundbehrens.deanzeigenUlrich Netz Verlagsrepräsentant Breslauer Straße 18 63128 Dietzenbach Telefon: 06074.40 78 18 Telefax: 06074.40 78 19 netz@gcsc-magazin.de www.gcsc-magazin.dedruckKunst- und Werbedruck, Bad OeynhausenDas German Council Magazin basiert auf Informationen, die wir als zuverlässig ansehen, eine Haftung kann nicht übernommen werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Die Redaktion behält sich die Kürzung eingesandter Manuskripte vor. Erfüllungsort und Gerichts- stand ist Hamburg.Nachdruck oder sonstige Repro- duktion (auch auszugsweise) nur mit Genehmigung des Herausgebers.Mediadaten und weitere Informationen finden Sie unter www.gcsc-magazin.de.erscheinungsdatum dieser ausgabe: Oktober 2016das nchste german council magazin erscheint im Dezember 2016.GERMAN COUNCIL . vOR ORtGerMan CounCil ConGreSS 2016: HanDel trifft auf PolitikGERMAN COUNCIL . vOR ORtPodiumsdiskussuion (v.l.): Sebastian Czaja, Stefan Evers, Prof. Johannes Ringel, Barbara LothDer German Council of Shopping Centers (GCSC) ist dabei, sein politisches Pro l in der Handelsimmobilien-Branche zu schärfen. Das unterstrich der Verband auf dem German Council Congress 2016 in Berlin, der dieses Jahr unter dem Motto »Spirit« stand.Mit dem titel ist aber nicht nur der Geist des Politischen gemeint. Zu  Kongressbeginn  betonte  Moderatorin  Judith  Rakers  gerne,  dass  die  tagung  des  GCSC  eine  Art  »Familientreffen«  sei.  Und  auch  wenn  es  bei rund 450 teilnehmern eher eine Großfamilie ist, beschreibt sie da- mit  den  Charakter  des  Events  doch  recht  treffend.  Denn  letztendlich  erinnert gerade die Szenerie in den Pausen oder auf den Abendveran- staltungen  an  den  60.  Geburtstag  der  Lieblingstante  oder  des  Lieb- lingsonkels. Menschen, die sich lange nicht mehr gesehen haben, be-   GCM 4 / 2016Christine HagerBarbara Lothabendprogramm hatte der GCSC in die Ministergärten verlegt. In der  Landesvertretung  von  Schleswig-Holstein  ging  es  dann  vornehmlich  um politische Inhalte.»Unverzichtbarer Bestandteil der Handelswelt« Hausherr Ralph Müller-Beck, Bevollmächtigter des Landes Schleswig-Hol- stein  beim  Bund,  sagte  eingangs  den  GCSC-vertretern:  »Sie  sind  unver- zichtbarer Bestandteil der Handelswelt in Deutschland.« Dabei lobte der  Staatssekretär  des  Landesinnenministeriums  den  »enormen  Entwick- lungsprozess«,  den  die  Branche  in  der  vergangenen  Zeit  durchlaufen  habe. Projektentwicklungen seien keine für sich allein stehenden Objekte  auf der grünen Wiese mehr, sondern würden sich mehr und mehr als teil  einer lebendigen Innenstadt begreifen, hieß es mehrfach.Staatssekretär Ralph Müller-BeckSebastian Czajagrüßen sich herzlich, fallen sich um den Hals. Sie erzählen sich, was in  den vergangenen Monaten bei ihnen los war. Natürlich geht es hier vornehmlich darum, zu netzwerken, seine Füh- ler in der Branche auszustrecken, Kontakte zu knüpfen. Und auch auf  der Bühne prägen Branchenkenner mit praktischen und hintergründi- gen Einblicken zum Marktgeschehen das Programm – einmal abgese- hen von den Rednern mit inspirierenden themen wie Gedächtnistrai- ning  oder  dem  weltgrößten  Heavy  Metal-Festival.  Aber  auch  das  ist  irgendwie typisch für den familiären Spirit des GCSC. Aber  zurück  zum  politischen  Geist  des  German  Council  Congress.  Denn:  Anders  als  in  den  vergangenen  Jahren  startete  der  Branchen- treff  nicht  im  Berliner  Hotel  Adlon  am  Brandenburger  tor.  Das  vor-Großes  thema  in  der  Podiumsdiskussion  war  das  Bauplanungsrecht,  bei dem es laut GCSC noch zu wenig Fortschritte gebe, um im Online- zeitalter weiterhin konkurrenzfähig gegenüber Amazon, Zalando und  Co.  zu  sein.  Moderator  Prof.  Johannes  Ringel,  Architekt  und  Inhaber  des renommierten Lehrstuhls für Stadtentwicklung an der Uni Leipzig  (GCSC Regionalbotschafter) betonte, dass von den aktuellen Entwick- lungen im Einzelhandel die Immobilien-Branche am stärksten betrof- fen  sei  und  merkte  an:  »Es  gibt  kein  Element,  das  eine  größere  Ent- wicklung für unsere Städte darstellt, als den Handel.« Kritisch sieht Ringel, dass bei den Diskussionen um Ladenöffnungszei- ten,  Sortimentsbegrenzungen  –  und  -verortungen,  Flächenbegren- zungen außerhalb der Innenstädte und der bürokratischen Bauleitpla- nung zu wenig passiere, um für faire Bedingungen im Einzelhandel zu GCM 4 / 2016  4  German Council Congress 2016: Handel trifft auf Politik32  Mit Inspiration und Transpiration zu Nachhaltigkeit und Effizienzvor ort4 German Council Congress 2016: Handel trifft auf Politik 18 GCSC stellt sich mit neuem Beirat den Herausforderungender Zukunft22 Wacker, wacker – die »Wacken«-Läufer!insight26 GCSC stellt sich vor28 Tiefste Einblicke in die Innenwelt von Centerngerman council01 Vorwortund Geschäftshäusern GCM4/2016© Volker Dziemballa / vollformat – Agentur für digitale Medien© KD Busch© KD Busch© Volker Dziemballa / vollformat – Agentur für digitale Medien


































































































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