Page 5 - Stabilität
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GERMAN COUNCIL . pOLItIsChE ARbEItTopThema: ChanCengleiChheiT für den sTaTionären handel Delegation der GCsC Experten Komitees »politische Arbeit« trifft   Mitglieder der spD bundestagsfraktionGERMAN COUNCIL . pOLItIsChE ARbEItRund 50 Teilnehmer der SPD AG Wirtschaft und Energie folgten interessiert den beiden Impulsvorträgen im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages, direkt gegenüber dem Bundeskanzleramt.GERMAN COUNCIL . INHALTGERMAN COUNCIL . StAbILItätKAMINGESPRäCH mit HDE-Präsident Josef Sanktjohanser DER HANDEL IST DAS RÜCKGRAT ALLER VITALEN ZENTRENGERMAN COUNCIL . StAbILItätJosef Sanktjohanser, ehemaliges Vorstandsmit- glied der REWE Group, ist seit Dezember 2006 Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Außerdem ist er Mit- glied der Vollversammlung der IHK Köln und seit September 2007 auch Mitglied des Verwal- tungsrats des 1. FC Köln, von dem er am 13. November 2011 nach dem plötzlichen Rück- tritt des Vorstandes kommissarisch zum stell- vertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Seit 2013 gehört er ferner dem Kuratorium der Heinz-Lohmann-Sti ung an. Zum Kaminge- spräch beim HDE traf ihn GCM-Chefredak- teur  orsten Müller.Das zweite Quartal 2016 ist mitten im Gange. Wir nähern uns langsam dem Abschluss der ers- ten Jahreshälfte. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie für den Einzelhandel in Zeiten von Flücht- lingskrise, Terrorismus und zunehmender Sorge vor Altersarmut? Josef  Sanktjohanser:  Für  den  Einzel-handel  läuft  es  derzeit  gut.  Das  wirt- schaftliche  Umfeld  ist  nach  wie  vor  günstig.  Der  Arbeitsmarkt  entwickelt sich  positiv,  die  Einkommen  steigen  und die Zinsen sind niedrig. Die HDE- Frühjahrsumfrage  zeigt  ein  Fünf-Jah- res-Hoch  in  der  Stimmungslage  der  Händler.  Für  das  Jahr  2016  gehen  wir  von  ei- nem  nominalen  Umsatzplus  von  zwei  Prozent  im  Vergleich  zum  Vorjahr  aus.  Wachstumstrei- ber  bleibt  dabei  sicherlich  der  Online-Handel.  Hier dürften die Umsätze in diesem Jahr um elf  Prozent zulegen.Ist der stationäre Handel im Wettbewerb mit dem Internet und anderen Elementen der Digi- talisierung deutlich weiter als vor einem Jahr?  Josef  Sanktjohanser:  Sie  werden  kaum  mehr  einen Händler treffen, der sich nicht mit der Di- gitalisierung  seines  Unternehmens  auseinan- der  setzt.  Das  heißt  nicht,  dass  der  Aufbau  ei- nes  eigenen  Online-Shops  für  jeden  betrieb  sinnvoll ist. Aber zumindest im Netz auffindbar   GCM 2 / 2016sein muss wirklich jeder Händler. Wer das nicht  ist,  der  fällt  am  Ende  hinten  runter.  Immer  wichtiger werden auch digitale Services auf der  Fläche.  Das  können  Sie  beispielsweise  an  der  auch vom Handel sehr lebendig geführten De- batte zur WLAN-Störerhaftung sehen. Die bran- che will hier ihre Chancen nutzen und braucht  geeignete  Rahmenbedingungen.  Die  meisten  Kunden  haben  heute  Smartphones.  Da  liegt  noch ein Riesenpotenzial in der Kundenanspra- che oder der beratung.Trotz der weiterhin guten Entwicklung – In welchen Bereichen wird der Online-Handel auch in den kommenden Jahren an seine Gren- zen stoßen? Josef  Sanktjohanser:  Der  Online-Handel  wächst seit Jahren zweistellig. In einigen bran- chen sind Wachstumsgrenzen erkennbar, in an- deren  sehen  wir  eine  hohe  Dynamik.  Das  On- line-Wachstum etwa bei Unterhaltungselektro- nik verläuft nicht mehr mit dem tempo vergan-chen  Einzelhandelskonzeptes.  Übrigens  auch  im  Online-Handel.  Der  deutsche  Handel  inves- tiert deshalb jährlich hohe Summen in Aus- und  Weiterbildung.  Zahlen  des  bundesinstituts  für  berufsbildung  zeigen,  dass  die  branche  allein  für  die  Ausbildung  in  den  beiden  Kernberufen  Verkäufer/in und Kaufmann/-frau im Einzelhan- del  rund  1,8  Milliarden  Euro  im  Jahr  ausgibt.  Die stationären Händler haben den Vorteil, dass  die Ware bei ihnen anfassbar ist und beratungs- intensive  Produkte  erklärt  werden  können.  Da  ist  gutes  Personal  mit  kompetenter  beratung  ein absolutes Muss, um die Vorteile auch aus- spielen zu können.Erlebnisshopping gilt inzwischen nicht nur für Shopping Center. Eine Markthalle wie in Rot- terdam oder Hamburg macht auch aus Lebens- mittelbesorgungen ein Happening. In Düssel- dorf soll aus einem ehemaligen Galeria Kauf- hof ein Luxus-Supermarkt mit ganz viel Gast- ronomie (innen wie außen) und einem Hotel›Wie immer im Handel, wird die Entwicklung vom Kunden getrieben.‹ Josef Sanktjohanserim Dachgeschoss werden. Wie stark wird sich das »Erlebnis Einkaufen« noch weiter entwickeln? Josef  Sanktjohanser:  Das  Einkaufser- lebnis  gewinnt  in  den  vergangenen  Jahren  immer  mehr  an  bedeutung.  Auch die Discounter rüsten auf, gestal- ten ihre Läden wertiger. Wie immer im gener  Jahre.  Anders  ist  das  bei  Garten-  und  Grillgeräten. Das permanent wachsende Ange- bot  an  Online-Shops  sorgt  dafür,  dass  immer  neue  Produktgruppen  ihren  Weg  in  das  Inter- net finden. Insgesamt könnte der Umsatzanteil  des  Online-Handels  am  Gesamtumsatz  des  deutschen  Einzelhandels  bis  2020  von  heute  knapp zehn Prozent auf 20 Prozent steigen, im  Nonfood-bereich deutlich darüber hinaus. Ein Erfolgsrezept für den stationären Handel – das ist sicher kein Geheimnis – liegt im Service. Dazu gehört gutes Personal. Besteht hier nicht mehr denn je Handlungsbedarf?  Josef Sanktjohanser: Service ist ein ganz we- sentlicher bestandteil jedes dauerhaft erfolgrei-Handel, wird diese Entwicklung vom Kunden ge- trieben. Insgesamt sehen wir eine Polarisierung  zwischen höherwertigen, mehrwertorientierten  Angeboten und dem Preiseinstiegssegment. Die  Preismitte verliert an bedeutung. Die Ansprüche  an  Ladengestaltung  und  Warensortiment  stei- gen, die branche reagiert entsprechend. Wie schaut überhaupt Ihre aktuelle Haltung zu den Shopping Centern aus? Ganz allgemein aber auch speziell zu den neuen innerstädti- schen Centern? Bilden Milaneo Stuttgart, Minto Mönchengladbach, Forum Hanau, das Aquis Plaza Aachen oder die Mall of Berlin Quanten- sprünge in Sachen Architektur und Kundenkom- fort oder halten Sie das für zu hoch gegriffen?Josef SanktjohanserGCM 2 / 2016  32  Der Handel ist das Rückgrat aller vitalen Zentrenstabilitt40 Die Zukunft des Bauens steckt in einem Container im Bergischen Land42 Investoren müssen noch lernen, sehr viel langfristiger zu denken44 Lebens-Mittel-Punkte: Wie sich Märkte neu erfinden50 Wollen die Customer Experience kontinuierlich verbessern 52 Werden verstärkt Invests mit Wertsteigerungspotenzialsuchen54 Essen wird anders: Story-Telling und Dinner mitHologrammenrecht und gesetz56 Aktuelles aus der Rechtsprechung news58 Aktuelle Kurznachrichten insight62 GCSC stellt sich vor politische arbeit64 Topthema: Chancengleichheit für den stationären Handelon tour68 GCSC goes Tokyo – ein persönlicher Reisebericht 72 Zwei Länder, vier Konzepte64  Topthema: Chancengleichheit für den stationären Handelmarktplatz – advertorial74 First Christmas75 Agentur Randolph Hopp 76 Sonae Sierra77 DMS GmbH78 Centum Media79 SawatzkiMühlenbruch 80 WISAGgcsc mitglieder82 Termine 201682 In eigener Sache 83 Mitgliederliste 86 Neue Mitglieder 87 Aufnahmeantragnach einer längeren abstimmungsphase zur Termin ndung war es dann am 26.4.2016 so- weit: eine kleine delegation des gCsC ex- perten Komitees »politische arbeit« traf sich um 9 Uhr im paul-löbe-haus des deutschen Bundestags im Berliner regierungsviertel zu einer gemeinsamen sitzung mit den 13 mdBs der spd arbeitsgruppe Wirtscha  und en- ergie, den Vertretern der landesvertre- tungen sowie zahlreichen referenten und mitarbeitern, um über »Chancengleichheit und fairen Wettbewerb zwischen dem statio- nären handel und dem online-handel« zu diskutieren.Der  termin  wurde  zusammen  mit  Vertretern  der REWE Group unter der Leitung von Emilie  bourgoin (Leitung public Affairs) wahrgenom- men,  da  die  REWE  Group  ebenso  eingeladen  war  und  unseren  beitrag  mit  einer  speziellen  betrachtung  der  Nahversorgung  im  ländli- chen  Raum  und  der  Entwicklung  modernster  Lebensmittelmärkte thematisch hervorragend  ergänzte. Eine gute und freundschaftliche Ab- stimmung  zwischen  dem  GCsC  und  dem  REWE  team  hatte  bereits  im  Vorfeld  gleiche Emilie Bourgoin, REWE Group  GCM 2 / 2016sichtweisen  und  themen  aufgezeigt  und  so- mit die in der praxis gelebte täglich Nähe be- stätigt.Nach  der  freundlichen  begrüßung  durch  bernd  Westphal,  sprecher  der  Arbeitsgruppe  Wirtschaft und Energie, startete die 60 minüti- ge  sitzung  mit  zwei  Impulsvorträgen  von  je- weils  circa  10  Minuten.  Für  den  GCsC  stellte  Ingmar behrens (Leiter public Affairs) den Ver- band,  die  branche  und  insbesondere  die  zur  Diskussion  stehenden  themenpunkte  vor:  »Unser  Anspruch  ist,  Chancengleichheit  und  faire Wettbewerbsbedingungen zwischen On- line-handel  und  dem  stationärem  handel  in  Deutschland zu schaffen«, erklärte behrens zu  beginn  und  erläuterte  weiter:  »Wir  engagie- ren  uns  für  die  stärkung,  Förderung  und  den  Erhalt  der  Innenstädte  und  wünschen  uns  auch vor diesem hintergrund jetzt eine inten- sive  und  breite  öffentliche  Diskussion.«  Fol- gende punkte wurden betrachtet: Sortimentsbeschrnkungen Wenn Onlinehändler 24 /7 unlimitiert und mit  wachsendem Anteil alle Waren und Dienstleis-Robert Heinemann, GCSC/ ECEtungen  verkaufen,  sollte  auch  der  stationäre  Einzelhandel  die  Chance  haben,  sein  angebo- tenes  sortiment  flexibler  gestalten  zu  dürfen,  als es heute der Fall ist. VerkaufsflchengrsseDie  geeignete  Verkaufsflächengröße  ist  ent- scheidend  für  ein  attraktives  Warenangebot  und somit für den Erfolg des handels. Zur stär- kung des stationären handels sollten die Kom- munen bei der Aufstellung von Einzelhandels- konzepten und im Rahmen der bauleitplanung  dem  stationären  handel  größere,  wettbe- werbsfähige  Verkaufsflächen  zubilligen.  Glei- ches  gilt  für  die  beurteilung  nach  den  raum- ordnerischen Vorschriften der Länder und bei  der  Genehmigung  von  Einzelvorhaben  nach  § 34 bauGb.PlanungsrechtDer  Neubau,  die  Revitalisierung  oder  Erweite- rung einer handelsimmobilie ist ein oft mehr- jähriger, komplexer und sehr aufwendiger pro- zess. Die Eröffnung eines Onlineshops ist bin- nen  stunden  als  Vollsortimenter  ohne  derart Ingmar Behrens, GCSCumfangreiche Genehmigungen und beschrän- kungen aus jedem teil der stadt machbar. Fai- re  Wettbewerbsbedingungen  für  den  statio- nären  handel  kann  das  planungs-,  bau  und  Genehmigungsrecht  schaffen,  wenn  es  beste- hende  regulative  Freiheiten  des  Online-han- dels  und  die  damit  einhergehenden  Auswir- kungen  auf  den  stationären  handel  erkennt  und  dies  bei  raumordnerischen  Vorgaben  überregional und regional berücksichtigt. ffnungszeiten Die bestehende Regulierung der Öffnungszei- ten  im  stationären  Einzelhandel  widerspricht  den  heutigen  Einkaufswünschen  der  Kunden.  Zur Wahrung der Chancengleichheit muss der  stationäre  Einzelhandel,  gemäß  der  gesell- schaftlichen  Relevanz  und  der  bedeutung  des  handels  für  lebendige  Innenstädte,  in  die  Lage versetzt werden, auch dem sonntagsein- kaufswunsch  der  bürger  besser  gerecht  zu  werden, als es heute der Fall ist.InfrastrukturDer  stationäre  Einzelhandel  ist  auf  eine  mög- lichst  optimale  Infrastruktur,  eine  stadt  der  kurzen  Wege,  angewiesen.  Regulierter  städti- scher  parkraumbewirtschaftung  stehen  Aus- lieferungsfahrer  von  Online-händlern  in  der  zweiten  Reihe  mit  Warnblinklicht  gegenüber.  Ein  fairer  Wettbewerb  um  den  Kunden  erfor- dert  Chancengleichheit  für  den  stationären  handel,  wie  kostenfreie  Kurzzeitparkzonen  oder  eine  stärkere  Regulierung  des  Lieferver- kehrs.InnenstadtentwicklungEine  lebendige  Innenstadt  ist  die  basis  für  eine gesunde und gesellschaftlich multifunkti- onale  stadt.  Zur  stärkung  der  Innenstadt  soll- ten  Kommunen  und  städte  deutlich  durch  ex- terne Mittel gefördert werden, um durch eige- nes Engagement den Wettbewerb zu Gunsten  der stadt entscheiden zu können.Umweltschutzshopping Center und handelsimmobilien wer- den heute in Deutschland unter hohen Kosten  nach  weltweit  führenden  energetischen  Vor- gaben erstellt, revitalisiert und betrieben. Das  professionelle  zentrale  Abfallmanagement  ei- nes  shopping  Centers  erlaubt  einen  großen  Grad  an  Recycling.  Der  Online-handel  hinge- gen  führt  zu  zunehmender  Feinstaubbelas- tung  durch  Auslieferverkehre  in  den  städten  und verbraucht für die Verpackungen wertvol- le Ressourcen. Ein fairer Wettbewerb verlangt  nach  gleichen  Regeln,  ein  nachhaltiger  Um- weltschutz verbessert zudem die Lebensquali- tät der stadt.ArbeitspltzeWelchen  status  hat  ein  Amazon-Mitarbeiter,  der aus einem 100.000 Quadratmeter Vollsorti- mentslager  vor  den  toren  der  stadt  auf  der  »Grünen  Wiese«  24/7-Einzelhandel  betreibt, GCM 2 / 2016  ›Der Kluge ist der, welchen die scheinbare Stabilität nicht täuscht und der noch dazu die Richtung, welche der Wechsel zunächst nehmen wird, vorhersieht.‹ Arthur SchopenhauerGCM2/2016 © Laurin Schmid© Laurin Schmid© Die Hoffotografen GmbH, Berlin / Laurin Schmid


































































































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