Page 4 - Stabilität
P. 4

GERMAN COUNCIL . INHALTStabilitätGERMAN COUNCIL . StAbILItätDREI BANKER AUF DER BANKWirtschaftliche und  nanzpolitische Stabilität als Interview-thema   für die Hamburger Geldexperten Hans Henrik Dige, Andreas Pfaff   und Christian Graf von bassewitz scheidet im Moment ja einfach aus. Staatsanlei- hen  haben  ja  lange  Zeit  die  Anlage-Portfolien  ziemlich stark geprägt.  Andreas  Pfaff:  Mit  blick  auf  Stabilität  kann  hier  nur die Antwort in der Diversifikation liegen. Für  mich  ist  das  betongold  der  richtige  Weg  zu  ei- ner  langfristigen  Sicherheit.  Nicht  ausschließ- lich,  denn  es  gibt  ja  zum  beispiel  noch  Kunst,  Oldtimer und andere Anlagemöglichkeiten und  darüber hinaus natürlich Aktien. Aber für einen  stabilen Return ist die Immobilie augenblicklich  ganz klar das Asset schlechthin.  In den vergangenen Tagen und Wochen ist die Zinspolitik speziell von EZB-Präsident Draghi vielfach massiv kritisiert worden. Müssen sich die Kleinsparer mit Blick auf eine bargeldarme oder vielleicht völlig bargeldlose Welt ernsthafte Sorgen machen? Andreas  Pfaff:  Ich  kann  nicht  sicher  beantwor- ten,  ob  sich  der  Kleinsparer  ernsthaft  Gedanken  machen muss. Fakt ist, dass es dieses Gedanken- gut  aber  durchaus  gibt,  und  die  beschränkung  auf 5.000 Euro in einer Zahlung halte ich für nicht  allzu  gut.  Es  mag  mit  blick  auf  Geldwäsche  und  terrorismusbekämpfung  sinnvoll  sein,  allerdings  gibt es sicher auch andere Mechanismen, die wir  einschalten können. Ich sehe es auch eher als Ein- griff  in  die  Freiheit,  in  der  ich  mit  all  ihren  Vor-  und Nachteilen sehr gern aufgewachsen bin.  Hans  Henrik  Dige:  Für  Unternehmen  ist  ja  schon  heute  der  Negativ-Zins  Fakt,  den  sie  ein- fach hinnehmen müssen. Ich will aber gar nicht  so  sehr  von  Negativ-Zins,  sondern  realistischer  von Null-Zins sprechen, der im übrigen ja seine  Ursache  in  den  südeuropäischen  Ländern  hat.  Für  den  Sparer  heißt  das,  dass  er  keinen  Cent  für seine Anlage bekommt – wenn er Glück hat,  zahlt  er  dafür  nicht  –  und  seine  Rente,  sprich  private  Altersversorgung,  leidet  darunter.  Es  wird also immer schwieriger, für den Ruhestand  vorzusorgen. Der Normalverbraucher wird also  im  Grunde  ein  Stück  weit  enteignet.  Sein  Ver- mögen  wird  nicht  nur  nicht  vermehrt,  sondern  vielleicht  sogar  verkleinert.  Der  große  Investor  hat dieses Problem natürlich nicht. Er profitiert  vom  niedrigen  Zinsumfeld,  sei  es  durch  Immo- bilien  oder  bestimmte  Wirtschaftsgüter.  Man  kann  sehen,  wo  das  hinführt:  Die  Schere  geht  auseinander!    Christian Graf von Bassewitz: Ich kann mir eine  bargeldlose  Welt  nicht  vorstellen.  Ich  möchte  frei sein mit meiner Entscheidung, entweder bar  zu zahlen, per Scheck oder mit Karte. Das kann  und  darf  mir  nicht  vorgeschrieben  werden.  Ich  bin ein strikter Gegner einer Politik, die das bar- geld  ganz  abschaffen  möchte.  Den  500er  unter GERMAN COUNCIL . StAbILItätAndreas Pfaff und Hans Henrik Dige im Börsensaal der altehrwürdigen Handelskammer zu HamburgIn der altehrwürdigen Handelskammer zu Hamburg verabredete sich das German Coun- cil Magazin mit drei norddeutschen Bankern, um aktuelle Fragen, die sich mit wirtscha - licher und  nanzpolitischer Stabilität befas- sen, zu diskutieren. Zum Trio gehörten Hans Henrik Dige, Leiter des DG HYP Immobilien- zentrums Hamburg, Andreas Pfa , Hambur- ger Geschä sstellenleiter der Berlin Hyp, so- wie Christian Graf von Bassewitz, der bis zu seinem Ruhestand Sprecher der persönlich ha enden Gesellscha er der Bankhaus Lampe KG war (Oetker-Gruppe). Außerdem gehörte er viele Jahre unter anderem dem Aufsichtsrat der Aareal Bank AG an. Noch immer ist er im Aufsichtsrat der Signal Iduna sowie der Bank für Sozialwirtscha  AG. Von Bassewitz, als Se- nior der Runde, machte nach Bundeswehr und vor dem BWL-Studium seine Banklehre bei der Deutschen Bank in Hamburg und erlebte dort hautnah die nicht nur für die Finanzwelt folgenreiche Kuba-Krise mit.Um die wirtschaftliche und politische Stabilität ist es derzeit in einem auseinanderdriftenden Europa nicht gerade zum Besten bestellt. Wie stabil sind Euro und Europa? Überleben Sie über- haupt noch das nächste Jahrzehnt?Christian Graf von Bassewitz  GCM 2 / 2016 Christian Graf von Bassewitz: In der tat ist die Si- tuation  in  Europa  besorgniserregend.  Unser  ge- meinsames  Haus  Europa,  an  dem  gerade  wir  Deutschen  mit  großem  Einsatz  gebaut  haben,  zeigt  Kratzer,  zeigt  Risse,  gelegentlich  schwankt  es sogar, aber es stürzt nicht ein. Das Fundament  ist  stabil  und  gemeinsam  ist  auch  die  Einsicht,  dass ein Rückfall in eine Nationalstaatlichkeit mit  eigener Währung gravierende Folgen für Wachs- tum und Wirtschaft haben wird. Gerade wir Deut- sche haben doch als exportabhängiges Land von  der europäischen Einigung und dem Euro erheb- lich profitiert. Daher bin ich überzeugt, dass Euro- pa gar keine andere Chance hat, als zu überleben.  Und das auch im nächsten Jahrzehnt. Das gleiche  gilt  auch  für  den  Euro.  Ob  dann  allerdings  noch  alle Partner an bord sind, ist eine offene Frage.  Hans Henrik Dige: Es ist ja alles relativ und eine  Sache der Wahrnehmung. Wenn man die Stabi- lität  des  Euros  mit  anderen  Währungen  ver- gleicht, schneidet er ja so schlecht  gar nicht ab.  Im  Gegensatz  zu  den  Amerikanern  haben  wir  die Schuldenkrise sehr ernst genommen und et- was dagegen getan. Deutschland hat an der ins- gesamt  guten  Entwicklung  in  Europa  einen  nicht  zu  unterschätzenden  Anteil,  weil  wir  hier  noch  richtige  Güter  produzieren,  die  von  Wert  sind. Die EU – da habe ich keinen Zweifel – wird  auch  im  kommenden  Jahrzehnt  bestehen,  aber  wahrscheinlich  nicht  mit  allen  heutigen  Mit- gliedsstaaten. Andreas Pfaff: Ich glaube, dass das Wort Stabili- tät  in  unserer  heutigen  von  ständiger  Verände- rung  geprägten  Zeit  an  bedeutung  verlieren  wird. Es wird sich mehr um die bestmögliche Re- aktion auf neue Rahmen-Parameter drehen. Das  gilt für viele Dinge. Ich bin genauso erstaunt wie  Herr Dige, dass der Euro diese vermeintliche Sta- bilität in der aktuellen Situation behält – wie im- mer man das auch erklärt. Ich denke aber, dass  wir am Ende des tages das Modell EU und damit  unsere  Stabilität  aufrechterhalten  werden.  Wir  werden sicher hier und da ein paar blessuren er- leiden,  aber  ich  bin  überzeugt,  dass  wir  das schaffen. Nur müssen wir uns darauf einstellen,  dass unsere Aufgaben täglichen Veränderungen  ausgesetzt sein werden. In einem sicher nicht wegzudiskutierenden Drohszenario von Deflation und Inflation kommt der Assetklasse Immobilien eine be- sondere Bedeutung zu. Sehen Sie das auch so und welche Alternativabsicherungen befür- worten Sie außerdem so? Christian  Graf  von  Bassewitz:  Im  Verlauf  vieler  politischer  und  ökonomischer  Krisen  hat  sich  immer  wieder  gezeigt,  dass  die  Immobilie  eine  sichere  Assetklasse  ist.  Dies  wird  sicher  auch  in  Zukunft so bleiben, und es gilt sowohl für Inflati- on als auch für Deflation. Grund und boden sind  nicht vermehrbar und das bei wachsender Welt- bevölkerung.  Deshalb  aus  meiner  Sicht  ein  kla- res Ja zu Investitionen in Immobilien! Allerdings  ist bei der derzeitigen zinsgetriebenen Nachfra- ge  die  Gefahr  einer  blasenbildung  nicht  auszu- schließen.  Doch  ich  warne:  Vorsicht  vor  über- hitzten Preisentwicklungen in bestimmten Regi- onen!  Alternativ  empfehle  ich  auch  ein  Invest- ment  in  Aktienfonds,  breit  aufgestellt  –  Deutschland, Europa, USA und ein wenig Indien,  als  kommendes  Industrieland.  Ein  Investment  lohnt aber nur dann, wenn man sein Geld nicht  morgen  schon  wieder  braucht.  Also  langfristig  orientiert ist und insofern sowohl in Immobilien  als auch in Aktienfonds investieren kann. Wenn  man dann noch ein wenig Gold beimischt, dürf- te man alles richtig gemacht haben. Hans  Henrik  Dige:  Als  Investor  wäre  ich  aus  tiefster Überzeugung auf Immobilien fokussiert.  Aber  wenn  man  realistisch  schaut  auf  das,  was  passiert, dann muss man sagen, nicht alle tun es  im  großen  Stil.  Schaut  man  auf  die  Versiche- rungsgesellschaften,  gibt  es  beispiele  von  gro- ßen  Versicherern,  die  eine  sehr  niedrige  Immo- bilienquote haben. Sie legen sehr viel Kapital in  Aktien  an.  Für  den  kleineren  Investor  hingegen  ist  es  schwierig,  eine  wirklich  gute  Alternative  zur  Immobilie  zu  finden,  die  eine  ordentliche  Rendite  bringt.  Das  festverzinsliche  Wertpapier Umständen  zu  reglementierten,  das  ist  okay,  aber  weiter  runter  würde  ich  nicht  gehen.  Der  von  Ihnen  angesprochene  Kleinsparer  ist  weni- ger  durch  eine  bargeldlose  Welt  getroffen  als  vielmehr durch die aktuelle Zinspolitik. Er muss  um sein Erspartes fürchten. Nicht dass es verlo- ren  ginge,  aber  es  bringt  keine  Zinsen  mehr.  Und  das  ist  natürlich  bitter  für  Diejenigen,  die  ihr  Leben  lang  gespart  haben  und  nun  sehen  müssen,  dass  es  nichts  bringt.  Mit  Versicherun- gen ist das etwas anderes. Ich bin nach wie vor  der  Meinung,  dass  Kapital-/Lebensversicherun- gen  schon  mal  eine  ganz  andere  Rendite  aus- werfen und stabil und nicht gefährdet sind. Ein  aus  meiner  Sicht  wichtiger  teil  einer  Altersver- sorgung.Noch einmal zurück zur Stabilität: Auch außer- halb Europas kriselt es gewaltig. Ob in den is- lamischen Ländern, ob in Nordkorea, Russland beziehungsweise der Ukraine oder in den USA mit äußerst bedrohlichen Präsidentschaftsper- spektiven – bieten sich uns daheim gefährliche Situationen. Was empfinden Sie hier als be- sonders bedrohlich? Christian  Graf  von  Bassewitz:  Es  sind  die  politi- schen Risiken, die uns besorgt machen. In einer  unglaublichen  Fülle,  die  wir  täglich  über  das  Fernsehen  oder  andere  Medien  zu  uns  auf  den  tisch  bekommen  und  die  uns  zeigt,  dass  es  scheinbar nur noch Krisen in der Welt gibt. Das  politische Risiko verunsichert die Menschen und  führt sie unter Umständen auf falsche Wege, in  eine Radikalisierung, die wir nicht wollen. Aller-dings  meine  ich,  dass  unser  vereintes  Europa  noch  immer  stark  genug  ist,  um  diesen  Risiken  zu  trotzen.  Ein  bis  zwei  Millionen  Flüchtlinge  aufzunehmen  und  vernünftig  zu  versorgen,  muss einfach möglich sein.Die Digitalisierung hat schon lange auch Einzug in die Welt der Banken gehalten. Verlieren die Banken dadurch den persönlichen Zugang zu den Kunden oder gibt es dadurch vielleicht sogar auch Möglichkeiten, sie noch näher zusammen- zubringen? Andreas  Pfaff:  Natürlich  wird  die  Digitalisie- rung  verstärkt  Einzug  halten.  Im  Retailgeschäft  wird es immer seltener werden, dass Menschen  miteinander  kommunizieren.  Dies  wird  durch  Workflows  ersetzt  werden.  Dadurch  kann  man  das Unternehmen rentabler gestalten, was sich  sicherlich  auch  positiv  auf  den  Kunden  aus- wirkt.  Andere  Segmente  hingegen,  wie  zum  beispiel mein persönliches Aufgabengebiet des  großvolumigen Kreditgeschäfts, sind vom Rela- tionship-banking geprägt – hier wird weiterhin  der  Mensch  im  Mittelpunkt  stehen.  Aber  auch  hier  wird  es  Workflows  geben,  die  den  Kredit- prozess vereinfachen  und damit ebenfalls ren- tabler  machen.  Insofern  kommen  Veränderun- gen auf uns zu,  die wir uns vielleicht jetzt noch  gar  nicht  so  richtig  vorstellen  können.  Mobile  Geräte, wie zum beispiel tablets, in bankfilialen  sind längst keine Utopie mehr.  Christian  Graf  von  Bassewitz:  Auch  die  banken  müssen  realisieren,  dass  das  digitale  Zeitalter GCM 2 / 2016  impressumherausgeberGerman Council of Shopping Centers e. V. Bahnhofstraße 29 D-71638 Ludwigsburg Telefon 07141.38 80 83 Telefax 07141.38 80 84 office@gcsc.de www.gcsc.debeauftragter des herausgebers Rüdiger PleuschefredaktionThorsten Müller (v.i.S.d.P.)redaktionsteam dieser ausgabe Tobias Appelt, Melanie Giese, Jürgen Hainke, David Huth, Susanne Müller, Rahel WillhardtbezugMitgliederzeitschrift für Mitglieder des GCSC e. V.auflage13.000Covermotivpialhovik – istockphoto.comverlagGCM-Verlag c/oBehrens und Behrens GmbH Geschäftsführer und Verleger: Ingmar Behrens Dorfstraße 6424107 Kiel-Ottendorf Telefon: 0431.66 111 88 11 Telefax: 0431.66 111 88 88 www.behrensundbehrens.deanzeigenUlrich Netz Verlagsrepräsentant Breslauer Straße 18 63128 Dietzenbach Telefon: 06074.40 78 18 Telefax: 06074.40 78 19 netz@gcsc-magazin.de www.gcsc-magazin.dedruckKunst- und Werbedruck, Bad OeynhausenDas German Council Magazin basiert auf Informationen, die wir als zuverlässig ansehen, eine Haftung kann nicht übernommen werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Die Redaktion behält sich die Kürzung eingesandter Manuskripte vor. Erfüllungsort und Gerichts- stand ist Hamburg.Nachdruck oder sonstige Repro- duktion (auch auszugsweise) nur mit Genehmigung des Herausgebers.Mediadaten und weitere Informationen finden Sie unter www.gcsc-magazin.de.erscheinungsdatum dieser ausgabe:Mai 2016das nchste german council magazin erscheint im Juli 2016.GERMAN COUNCIL . StAbILItätSTABILITÄT HEISST, MIT ZUFÄLLEN ZURECHT ZU KOMMEN UND DIESE MANAGEN ZU KÖNNENGERMAN COUNCIL . StAbILItätauch nicht bei uns. Die Weltwirtschaft wird, ob- wohl der Abgesang schon läuft, noch lange vom  Erdöl  abhängig  sein.  Gute  Chancen  sehe  ich  auch weiterhin für das Erdgas. Was ich völlig un- terschätzt  habe,  sind  die  erneuerbaren  Energi- en. Was sie tatsächlich zu leisten imstande sind  – und das ohne variable Kosten nach Nutzungs- beginn – ist eine Überraschung. Ich muss sagen,  diesen Wandel haben wir »Oldschooler« unter- schätzt  und  damit  einen  wirklichen  Fehler  ge- macht.  Da  bin  ich  sehr  selbstkritisch  und  muss  sagen: Kohle und Kernenergie sind für Deutsch- land  ein  Sonderweg,  doch  ich  weiß  nicht,  ob  dieses falsch ist.GCM 2 / 2016  Leitinterview mit Ex-VW-Vorstandsmitglied und   Krisenkommunikationsexperte Prof. Dr. Klaus KocksWenn es bei Wirtscha sunternehmen nach ei- ner Empörungswelle um die Wiederherstel- lung von Stabilität geht, kennt er sich aus, schließlich zählt Klaus Kocks zu Deutsch- lands bekanntesten Kommunikationsexper- ten und ist gerade bei Krisenkommunikation ein erfahrener Mann. Er begann seine beruf- liche Lau ahn als Lehrer an einem Gymnasi- um. 1981 wechselte er zur Ö entlich- keitsarbeit in die Ruhrkohle AG und arbeitete im Anschluss für verschie-GmbH und der VOX POPULI Meinungsfor- schungsinstitut GmbH. Kocks ist in den Medi- en vor allem durch seine kontroversen Äuße- rungen und etliche Au ritte in Talkshows be- kannt. Zum Leitinterview traf er sich mit GCM-Chefredakteur  orsten Müller im ge- schichtsträchtigen Industrie-Club Düsseldorf.Stabilität  bedeutet  für  mich  nicht,  allen  Er- schütterungen  zu  widerstehen.  Wichtig  ist,  mit ihnen umgehen zu können.Mit welchen entscheidenden Maßnahmen ha- ben Sie persönlich Ihren Unternehmen oder/ und jenen, in dessen Auftrag Sie gearbeitet ha- ben, Stabilität gegeben?dene Unternehmen in der Automobi- lindustrie und der Energiewirtscha , darunter Aral, Ruhrgas und Volks-wagen, (dort Mitglied des Vorstandes Volkswagen – Geschä sbereich Kommunikation – und Generalbe- vollmächtigter der Volkswagen AG). Im Rah- men dieser Tätigkeiten verö entlichte er eini- ge Publikationen zu verschiedenen  emen. 2001 wurde er zum Honorarprofessor für Kommunikationsmanagement an der Fach- hochschule Osnabrück ernannt. Er ist Ge- schä sführender Gesellscha er der CATO Sozietät für Kommunikationsberatung  GCM 2 / 2016bil fühlen Sie sich gerade? Klaus Kocks:  Ich fühle mich sehr stabil, weil  ich  Stabilität  definiere  als  die  Fähigkeit,  mit  Zufällen zurecht zu kommen und diese mana- gen  zu  können.  Vom  blitz  werden  die  getrof- fen, die meinen, er würde sie niemals treffen. ›Wenn das Butterbrot fällt, dann soll es wenigstens nicht auf die Marmeladenseite fallen.‹Klaus KocksMit Blick auf unser Leitthema Stabilität möchteich Sie zum Auftakt vieldeutig fragen: Wie sta- Klaus  Kocks:   Ich  habe  eine  Abnei- gung gegen das, was die griechische  tragödie  »Hybris«  nennt.  Neu- deutsch ist das die Fähigkeit, alles zu  können,  alles  managen  zu  können,  sich für ein Genie zu halten. Ich glau- be,  dass  sichere  Systeme  einfache  Systeme  sind.  Ich  habe  eine  Abnei- gung  gegen  Komplexität.  Und  die alte Regel »Keep It Simple and Stupid – KISS –  ist  richtig,  denn  je  höher  der  Komplexitäts- grad  ist,  desto  störanfälliger  wird  die  Sache  meist. Locker formuliert: Wenn das butterbrot  fällt,  dann  soll  es  wenigstens  nicht  auf  die  Marmeladenseite fallen ... Wir können nicht umhin, Sie zu fragen, was Sie Ihrem früheren Arbeitgeber VW in seiner viel- leicht größten Unternehmenskrise empfehlen würden.  Klaus Kocks:  Ich habe generell meinen Nach- folgern keine Ratschläge zu erteilen, aber das  Hauptproblem an einer Krise ist, ihre Dimen- sion  zu  erkennen.  Das  heißt,  wenn  alle  nach  der  Feuerwehr  schreien,  um  die  Wassermen- gen  zu  bekommen,  damit  die  Flammen  ge- löscht  werden  können,  dann  muss  man  es  erst einmal eine Weile brennen lassen, sprich  sich  Zeit  für  die  Einschätzung  der  Lage  neh- men.  VW  hat  immer  ein  bewusstsein  dafür  gehabt – insbesondere auch Winterkorn, den  ich  sehr  schätze  –  dass  wenn  man  ein  relativ  einheitliches System hat, ein einziger System- fehler  wirklich  sehr  böse  sein  kann.  Winter- korn hat nur in dem Fall nicht geglaubt, dass  das  der  Systemfehler  ist.  Das  Unternehmen  hat  gehandelt,  bevor  es  gedacht  hat  –  und  das rächt sich. 6  Stabilität heißt, mit Zufällen zurecht zu kommen (...)16  Drei Banker auf der Bankstabilitt5 Was Stabilität alles beinhalten und bedeuten kann6 Stabilität heißt, mit Zufällen zurecht zu kommenund diese managen zu können14 Wir versuchen immer, vor die Lage zu kommen 16 Drei Banker auf der Bank20 Stabilität wird immer zu neuen Höchstleistungengetrieben24 Stabilität ist im Grunde Flexibilität26 In Form gebrachter Atem30 Kommentar: Aus dem Gleichgewicht32 Der Handel ist das Rückgrat aller vitalen Zentren36 Einkaufstourismus bietet noch jede Menge Potenzialegerman council01 VorwortWas fahren Sie heute für ein Auto? Klaus  Kocks:   Ich  vertraue  seit  eh  und  je  VW.  Wir  besitzen  in  unserer  Familie  für  unter- schiedliche Zwecke unterschiedliche Modelle:  dienstlich einen Phaeton, auf dem Land einen  Amarok,  für  gelegentliche  Ausflüge  einen  VW-bus.  Meine  Frau  fährt  einen  Audi  S3  und  meine tochter einen Golf. Sie waren ja auch mal Sprecher der Hersteller und Betreiber von Kernenergie in Deutschland und haben auch bei der Ruhrkohle-AG den Vor- stand beraten. Wie beurteilen Sie die energie- wirtschaftliche Gesamtsituation, und was glau-ben Sie, wie sich unser Land diesbezüglich in den kommenden zehn Jahren entwickeln wird. Wird es 2026 Kernenergie geben?   Klaus Kocks:  Ich habe ja für alle Energiearten  gearbeitet,  was  daran  lag,  dass  ich  entweder  einen  Karrieresprung  machen  konnte  oder  rausflog.  Und  ich  war  ein  Zeitzeuge  dessen,  was  als  Energiewende-Experiment  hier  in  Deutschland begonnen wurde. Kernenergie  hat  eine  große  Zukunft.  In  allen  Ländern, außer in diesem. Das heißt nicht, dass  ich  das  gutheiße,  aber  es  ist  so.  Kohle  hat  eine  riesige  Zukunft,  zum  beispiel  in  China,  aber und Chancen GCM2/2016© Michael Gohl© Anna-Lena Ehlers© Michael Gohl© Anna-Lena Ehlers


































































































   2   3   4   5   6