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GERMAN COUNCIL . vIsIONGERMAN COUNCIL . vIsION
PIONIERIN UND »GRANDE DAME«
DER MARKTFORSCHUNG
Lebenswerk-Interview mit der Hamburger »PRIsMA«-Gr̈nderin und ehemaligen  
GCsC-vorsitzenden Elisabeth Lange
Obwohl sie keinen Meter sechzig misst, gilt mehrere Positionen Personal suchte. Fast ḧtte  auch  sehr  entscheidungsfreudig  war.  In  der  
sie f̈r viele – besonders f̈r die Vertreter des Einzelhandels und der Immobilienwirt- schat – als »Grande Dame« der deutschen Marktforschung: die Hamburgerin Elisabeth ich mich schon f̈r den zentralen schuheinkauf  entschieden,  doch  dann  beschloss  ich  als  volkswirtin in die kleine – weil noch sehr neue  heutigen  Zeit  ẅrde  ich  mit  Letzterem  wahr- scheinlich einige Probleme bekommen. Heute  m̈ssen  die  jungen  Leute  in  den  Konzernen  
Lange. Als sie das German Council Magazin zum Exklusiv-Interview einlud, geschah dies nicht ohne Grund, sondern exakt 45 Jahre –  volkswirtschaftliche  Abteilung  zu  gehen.  Eine stabsstelle zwar, aber eine, die unterneh- mensstrategisch  noch  nicht  gefestigt  war.  Der  sehr dynamische Herr Otto hatte sẗndig neue  sehr  darauf  achten,  in  ihrem  Planquadrat  zu  bleiben  und  haben  es  deshalb  auch  sehr  schwer, in besonderer Weise auf sich aufmerk- sam zu machen. GERMAN COUNCIL . VIsIONGERMAN COUNCIL . VIsION
nach Gr̈ndung ihres ̈ber mehrere Jahr- zehnte sehr erfolgreichen Instituts PRISMA, das nach ihrem Ruhestand in die GFK inte- Ideen, konnte sich aber manches auch schnell  wieder anders ̈berlegen. Nach zehn Jahren beim Otto-Versand wollten Sie dann aber eigene Wege gehen. Warum? Vision GCsC: LeiDensChafTf̈r hanDeL unD iMMobiLien 
griert wurde. Chefredakteur horsten M̈l- ler und Magazin-Verleger Ingmar Behrens sprachen mit der heute 77-j̈hrigen Re- search-Pionierin, die auch acht Jahre lang Was waren da Ihre ersten Aufgaben? Elisabeth Lange:  Mit volkswirtschaft hatte das  erst  mal  wenig  bis  gar  nichts  zu  tun.  Ich  ver-  Elisabeth Lange:  Bei Otto nannten wir die Zu- sammenk̈nfte  der  ̈ber  zehn  Jahre  im  Unter- nehmen befindlichen Mitarbeiter flapsig »Mu- Gedanken des Vorstandsvorsitzenden Klaus striebich zur Zukunft des Verbandes   und zur Handelsimmobilien- und shopping-Center-Branche
den German Council f̈hrte, in der VIP-Lou- nge des Hamburger Sky-Restaurants »Clouds« ̈ber Anfang, Entwicklung und glich  Kataloge.  Bauer,  Neckermann,  Quelle,  schwab  –  konkret  gesagt  die  Anfangs-  und  Endpreislagen  in  einigen  wichtigen  sorti- mentsbereichen.  Nicht  gerade  eine  Traumẗ- mientreffen«  Eine  Mumie  wollte  ich  naẗrlich  noch nicht sein. Aber spaß beiseite – ich hatte  damals  schon  viel  mit  Instituten  zu  tun,  gab  die  eine  oder  andere  Umfrage  in  Auftrag  und  
Zukunt nicht nur in der Marktforschung, sondern auch im Einzelhandel.tigkeit,  aber  man  bekam  doch  einen  interes- santen Einblick in die jeweilige Unternehmens- politik.  Durch  die  große  Unternehmensdyna- wurde  schließlich  von  einem  Institutschef  ge- fragt,  ob  eine  selbsẗndige  Institutsarbeit,  die  f̈r  ihn  die  »Freiheit  des  Lebens«  verk̈rpere,  »Die Diferenz zwischen einem Traum und einer Vision ist der Mut zu handeln.« Beginnt nicht im Grunde jede Unternehmung  oder jedes Tun mit einem Traum?Die  Mission  definiert  den  Zweck  und  Auftrag  eines Unternehmens und zielt darauf ab, sich  nach  den  Kundenbed̈rfnissen  auszurichten.  sowohl  aus  einer  Unternehmensvision  als  auch der Mission leiten sich Ziele ab, die sich  geben. Die damaligen Ideengeber – nennen wir  sie  ruhig  Vision̈re  –  hatten  ein  gemeinsames  Ziel  vor  Augen.  Die  erste  Maßnahme  war  es,  den  GCsC  zu  gr̈nden,  ihn  schlichtweg  ins  Le- ben zu rufen. Gemeinsame Ziele, Ideen und Ge- 
Sie sind viel in der Welt herumgekommen, ha- ben aber immer in Hamburg gewohnt. Warum ist das so und wo ist hier Ihr Lieblingsort oder mik  des  Otto  versandes  ̈nderten  sich  die  An- forderungen  an  mich  sẗndig,  manchmal  wusste  ich  morgens  noch  nicht,  was  am  Tage  nicht die bessere Alternative f̈r mich sei.Aber Herr Otto wollte Sie doch sicher nicht so Die  Wissenschaft  erkl̈rt  hierzu:  In  der  Wirt- schaft, in Unternehmen bescḧftigt man sich  mit  strategien,  Visionen  und  Missionen,  um  k̈nftiges, erfolgreiches Handeln zu geẅhr- in  konkrete  Maßnahmen  umsetzen  lassen  m̈ssen.  Dazu  geḧren  z.B.  die  Entwicklung  neuer  Produkte,  die  Einf̈hrung  neuer  Tech- nologien  oder  die  Reorganisation  von  beste- henden strukturen und Abl̈ufen – soweit zur  danken haben die Vision̈re geleitet.̈ber  das  heutige  Leitbild  des  GCsC  haben  wir  an dieser stelle schon berichtet. Es passt aber  gut, sich nochmals die Vision und Mission, wie  
-platz? Elisabeth  Lange:   Ich  liebe  Hamburg,  weil  die  stadt  so  unglaublich  vielf̈ltig  und  immer  im  Wandel ist. In jeder Jahreszeit hat sie ihre ganz  auf  mich  zukam.  Irgendwann  k̈mmerte  ich  mich  um  Autowaschanlagen,  dann  um  stand- orte  f̈r  Otto-Agenturen  und  andere  Handels- aktiviẗten,  sp̈ter  waren  dann  auch  die  Wa- einfach gehen lassen? Elisabeth  Lange:   Nein,  er  bot  mir  sogar  Ge- haltsverdoppelung  an,  aber  am  Ende  ließ  er  mich  als  inzwischen  Leiterin  der  standortent- leisten. Daraus werden Maßnahmen abgelei- tet,  um  langfristig  am  Markt  bestehen  zu  k̈nnen. Visionen dienen dazu, eine hohe Identifikati- Managementtheorie. Gilt diese reine Lehre auch f̈r non-profit-Or- ganisationen,  Verb̈nde,  wie  den  German  Council of shopping Centers e.V. (GCsC)? Und  sie  im  Vorstand  und  Beirat  diskutiert  und  ver- abschiedet wurde, in Erinnerung zu rufen: Unsere Vision: Leidenschaft  f̈r  Handel  und  Immobilien
besonderen Reize, und ich schaue mir von Zeit  zu Zeit auch immer wieder einen stadtteil ganz  gezielt an – auch einen nicht so allgemein pr̈- renḧuser im Fokus, und so wurde mir immer  mehr  die  vielfalt  von  Handel  und  Dienstleis- tung vertraut. Eigentlich aber war mein Weg in  wicklung  sehr  wohlwollend  gehen.  Auch  in  der Hoffnung, dass ich vielleicht schon bald zu- r̈ckkommen  ẅrde,  weshalb  er  auch  meine  on  herzustellen,  z.B.  der  Mitarbeiter  zur  Ge- scḧftsidee,  den  herzustellenden  Produkten  oder Dienstleistungen. In  der  Unternehmensf̈hrung  beschreibt  die  wie l̈sst sie sich dann umsetzen?Der  GCsC  entstand  aus  einer  Idee,  der  gesam- ten Branche »ein Gesicht zu geben«, Interessen  und  Themen  zu  b̈ndeln,  Innovationen  zu  f̈r- Unsere Mission: Wir verstehen uns als Motor  und  Impulsgeber  f̈r  die  Interessen  und  die  Zukunft  der  Menschen  und  Unternehmen  in  der Handelsimmobilienbranche. © fotolia.com
ferierten  und  stelle  dabei  immer  fest,  wie  le- bendig  Hamburg  doch  ist.  Deshalb  kam  und  komme ich bis heute nach l̈ngeren Reisen im- die Marktforschung ein reines Zufallsprodukt.Wie ẅrden Sie denn Ihre damalige Arbeits- stelle erst einmal nicht wieder besetzte. Ohne  sein Goodwill und ohne die M̈glichkeit, mir in  relativ  kurzer  Zeit  in  den  Jahren  im  Otto  ver- Neue Ideen und Innovationen k̈nnten sich zu  Treibern  oder  »Augen̈ffnern«  der  Branche  Vision  den  idealen  Zustand  in  der  Zukunft  und den Weg dahin.dern  und  der  damals  noch  recht  jungen  Bran- che die Chance auf eine positive Entwicklung zu F̈r unsere Mitglieder stellen wir ein wertvol- les  nationales  und  internationales  Netzwerk  zum Erfolgs- und Wissensaustausch bereit. GCsC-Congress  als  der  Treffpunkt  und  das  Highlight  der  gesamten  Branche  haben  sich  den  sein,  aber  was  mag  noch  alles  m̈glich  sein und auch kommen m̈ssen?
mer wieder sehr gerne hierher zur̈ck.Als Sie angefangen haben sich mit Marktfor- schung zu bescḧftigen, stand diese auf eini- weise beschreiben? Worin lagen Ihre besonde- ren Talente? Elisabeth  Lange:   Mir  lag  das  Recherchieren,  aber  auch  das  ad̈quate  Aufarbeiten  von  Da- sand einen so großen Erfahrungsschatz aufge- baut  zu  haben,  ḧtten  meine  zuk̈nftigen  Un- ternehmeraktiviẗten sicher nicht funktioniert.entwickeln.Einzelne  neue  GCsC  Fachforen  k̈nnen  dann  die  Weiterentwicklungsnotwendigkeiten  un- serer  Mitglieder  befriedigen.  Mit  den  zuletzt  Wir  repr̈sentieren  eine  große  Bandbreite  an  national  und  international  arbeitenden  Un- ternehmen.Wo stehen wir heute?um  die  Anerkennung  unserer  »Kunden«,  un- serer Mitglieder verdient gemacht.Neue  Wege  der  Kommunikation  durch  die  so- zialen  Medien  oder  elektronische  Buchungs- Was bringt die Zukunft? Unsere Branche steht vor großen ̈nderungen  und Herausforderungen. Nicht nur der techni- 
gen Feldern, insbesondere in der Handelsfor- schung, noch relativ am Anfang. Wie kam es ̈berhaupt dazu? Wollten Sie beruflich ganz ten.  Gerade  das  war  auch  dem  Unternehmer  sehr  wichtig.  Dr.  Werner  Otto  sprach  immer  von der Bedeutung des richtigen vorsortierens  Den ersten Auftrag f̈r Ihr eigenes Unterneh- men haben Sie dann aber auch noch von Otto mitgebracht? ins  Leben  gerufenen  Foren  f̈r  »Projektent-Ziehen  wir  vor  diesem  Hintergrund  Bilanz.  ̈ber  die  vielen  Jahre  des  erfolgreichen  Wir- kens des GCsC hinweg sind ̈ber die Grenzen  Deutschlands hinaus respektierte, anerkannte  systeme f̈r die Veranstaltungen haben zeitge- m̈ß die Technik einziehen lassen.sche  Wandel  und  die  daraus  resultierenden Mit  der  Anerkennung  aller  GCsC  Mitglieder  als  Mitgliedsstatus  beim ›Neue Ideen und Innovationen k̈nnten sich zu Treibern oder Augen̈fnern der wicklung«  oder  auch  »Retail«  haben  wir  die  ersten  schritte  daf̈r  unter- nommen.
gezielt forschen?  Elisabeth Lange:   Es war das Jahr 1961, im No- vember.  Ich  hatte  mein  studium  fast  beendet  und vor allem dem entsprechenden Aussortie- ren.  Keinesfalls  durfte  man  im  Material  ersti- cken und im Daten- und Informationswust un-  Elisabeth Lange:  Ich hatte schon ein bisschen  vorgearbeitet  und  einen  Auftrag  von  der  sF  Bau  f̈r  das  CCB  in  Hamburg-Bergedorf  noch  Angebote  und  M̈glichkeiten  f̈r  unsere  Mit- glieder  geschaffen  worden,  die  auch  intensiv  von unseren Mitgliedern genutzt werden. Unsere  »Produkte«,  wie  die  GCsC-Bibliothek  an der Uni Leipzig, die verschiedenen Fachfo- ICsC,  dem  Internationalen  shop- ping-Center-Council,  konnten  wir unserer  immer  angestrebten  Inter- nationaliẗt  Nachdruck  verleihen und  waren  damit  sogar  weltweit  Vorreiter.  Dem  Blick  ̈ber  die  Gren- Branche entwickeln.‹Klaus StriebichIch  k̈nnte  mir  vorstellen,  dass  ein  noch intensiverer Fokus auf den Konsu- menten  und  sein  Verhalten  oder  auch  die  Anforderungen  des  Kapitalmarktes  neue,  interessante  Themenfelder  f̈r  den GCsC darstellen k̈nnten.
und  dachte,  was  machst  du  denn  jetzt.  Und  dann  ergab  es  sich,  dass  der  Otto-versand  f̈r   GCM 3 / 2015tergehen. Ich glaube, dass ich schon immer Zu- sammenḧnge  schnell  erfassen  konnte  und kurz  vor  meinem  Ausscheiden  bereits  in  der  Tasche. GCM 3 / 2015  Klaus Striebichren, die Regional und International Tours und  Treffen,  die  vielen  stipendien,  das  NextGen- Programm  oder  auch  der  Neujahrsempfang,  das  Deutsche  shopping  Center  Forum  –  zu- sammen mit dem EHI – und nicht zuletzt der zen sind eben keine Grenzen mehr gesetzt.  Auf unserem Weg in eine erfolgreiche Zukunft  haben  wir  schon  einiges  erreichen  k̈nnen.  Mit der Momentaufnahme k̈nnte man zufrie-notwendigen  Geschwindigkeiten  zur  Anpas- sung,  auch  politische,  gesellschaftliche  oder  finanzmarkttechnische  Faktoren  nehmen  sp̈rbar  Einfluss  auf  die  Branche  bei  der  Ge- staltung unserer der Zukunft.Die Ausbildung und F̈rderung unseres Nach- wuchses  und  Weiterbildungsm̈glichkeiten  werden  intensiviert  und  die  Zusammenarbeit  mit Universiẗten und ̈hnlichen Institutionen © KD Busch
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4  Vision GCSC: Leidenschaft f̈r Handel und Immobilien18  Pionierin und »Grande Dame« der Marktforschung



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04 Vision GCSC: Leidenschaft f̈r Handel und Immobilien01 Vorwort
08 »Ohne Digitalstrategie haben Großunternehmen keine Zukunft« 

10 Vision Computertechnik: Keiner ist so klug wie Watson
12 Vision oder Chim̈re? Triumph oder Bumerang?
16 Vision und Wirklichkeit: F̈nf Thesen zur praktischen Arbeit

18 Pionierin und »Grande Dame« der Marktforschung
24 Vision Fastfood: Eine Evolution in Richtung Wertigkeit

28 Kommentar: Der Vision̈r hat’s schwer
30 Vision Gesellschaft: Eine Holografie in 3-D

32 Vision Gesundheit: Lebenscomeback in 200 Jahren?

insight

33 GCSC-Congress 2015: Programm und Anmeldung
40 GCSC stellt sich vor














impressum
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German Council of Thorsten M̈ller (v.i.S.d.P.)13.000Kunst- und Werbedruck, Beitr̈ge m̈ssen nicht die dieser ausgabe:
Shopping Centers e. V. Bad OeynhausenMeinung der Redaktion Juli 2015
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 GCM3/2015


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