Page 4 - GERMAN COUNCIL MAGAZIN 3-2014
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GERMAN COUNCIL . INhALtPOWERGerMan CounCil . PowerBerlin – die PowerstadtBerlin ist Kreativhauptstadt und Großbaustelle, Mythos und weltoffene Boomcity. Das Herz der Stadt schlägt schnell, nichts fürchtet sie mehr als den Stillstand.GerMan CounCil . PowerBerlin ist hip, urban, ein Schmelztiegel der Kul- turen. Arm aber sexy – mit diesen Worten be- schreibt Berlins regierender Bürgermeister sei- ne Stadt. Sie will nicht jedem gefallen, biedert sich nicht an, man muss sie nehmen wie sie ist. Eine Glitzermetropole mit Ecken und Kanten, mit Brachen und Riesenkränen. Eine pulsieren- de Großstadt, die ihr Gesicht im Sekundentakt wandelt. Mal ist sie Fashionmetropole, mal Filmhochburg, dann dient das Berliner Parkett Politikern aus aller Welt als Schaubühne. Was heute angesagt ist, gilt morgen vielleicht schon wieder als olle Kamelle. Pop-up-Stores und neue Shopping-Quartiere sprießen wie Pilze aus dem Boden, aber auch altes kann plötzlich wieder an neuen Reiz gewinnen. You never know – Berlin entscheidet.  GCM 3 / 2014"Berlin! Hör ich den Namen bloß, da muss ver- gnügt ich lachen! Wie kann man da für wenig Moos den Dicken Wilhelm machen!" Der deut- sche Komponist Paul Lincke besang bereits vor über hundert Jahren die »Berliner Luft«, suhlte sich in dem freien Lebensgefühls der Stadt und der unbändigen Lebenslust seiner Bewohner. Worte, die heute so aktuell sind wie gestern, die das Berliner Credo Leben und leben lassen widerspiegeln. In keiner anderen deutschen Stadt werden kreative Freiräume so hoch ge- schätzt und erbittert gefordert wie in der deut- schen Hauptstadt. »In Berlin trauen sich die Menschen was, sind experimentierfreudig. Pop-up-Stores kommen immer mehr in Mode und es gibt eine starke Gründerszene. Hinzu kommt der große internationale Zuzug – dasalles macht das Besondere der Stadt aus«, sagt Christoph Scharf, Geschäftsführer der BNP Pa- ribas Real Estate. Die Berliner lieben ihre Stadt, engagieren sich, gestalten sie mit. Spätkäufe und Currywurstbuden gehören ebenso zum Gesicht dieser unfertigen, sich stets wandeln- den Stadt wie die Prachtboulevards und No- belbars. Der Reiz der Stadt liegt aber auch in seiner Historie, hier wurde Weltgeschichte ge- schrieben: Die goldenen Zwanziger Jahre, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, der legen- däre Wiederaufbau.Zwischen historischen Gebäuden und futuristi- schen Fassaden pulsiert das Leben. »Berlin ist ein bisschen schräg und nicht immer schön, aber eben einzigartig«, sagt Fabian Bender,Head of Investment bei Immobilienscout, »die vielen kleinen Kieze mit ihren Geschäften und Labels, von extrem schick bis szenig-stylisch – in Berlin gibt es für jeden Geschmack das Pas- sende.« Berlin hat ihren Finger am Puls der Zeit, ohne ihren historischen Charme zu verlie- ren. Sie ist eine Keimzelle kreativer Trends. »Die Pilotshops der ausländischen Filialisten kombiniert mit den experimentierfreudigen, lokalen Anbietern und der vielfältigen Gastro- Szene machen die Straßen Berlins so interes- sant«, sagt Elke Lauster, Head of Letting der AC- REST Property Group, »das ganze Multikulti, das Liberale, das ewige Werdende, das alles er- innert mich an New York.« Burkhard Scheven, Geschäftsführer der Scheven Group, vergleicht Berlin lieber mit der britischen Hauptstadt, dem London der 80er Jahre, »als es beim inter- nationalen Publikum als hipp galt, die Stadt zu erkunden.« Und die Zahlen geben ihm recht: Alle wollen nach Berlin. Die Spreemetropole gehört zu den beliebtesten Städtereisezielen Europas, über elf Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr, davon gut vierzig Prozentaus dem Ausland. Tendenz steigend. Nach Lon- don und Paris liegt die deutsche Hauptstadt damit auf Platz drei im europäischen Ranking.Doch die anhaltende Beliebtheit Berlins schlägt sich auch auf die Immobilienpreise nieder, die seit 2008 um 35 Prozent angestie- gen sind. Spitzenpreise erzielen derzeit die Bezirke Mitte und Charlottenburg-Wilmers- dorf, sowohl für Miet- und Eigentumswoh- nungen als auch für Geschäftshäuser. In Ber- lin sind die Mieten im Vergleich zum Vorjahr um rund acht Prozent gestiegen und die Preissteigerungen werden 2014 weiter ge- hen. »Trotz steigender Mieten ist Berlin inter- national gesehen immer noch preiswert«, sagt Burkhard Scheven. Doch die Berliner murren trotzdem, einige packen die Umzugs- kisten und ziehen in weniger angesagte Stadtviertel, doch die können morgen schon wieder im Trend liegen.Ein steter Wandel bestimmt die Stadt, einst begehrte Kieze geraten in Vergessenheit,Mein Lieblingsplatz in Berlin istdas Regierungsviertel. Start Nähe Außenministerium, vorbei an der Museumsin- sel, hinter dem Reichstag längs und dann bei der Kanzlerin links ab durch den Tiergarten zum Brandenburger Tor...und das in Laufsa- chen morgens um 6.30 Uhr.Anna KozinaKey account Managerin wiSaG Facility Management Holding GmbH & Co. KGGCM 3 / 2014  impressumherausgeberGerman Council of  Shopping Centers e. V. Bahnhofstraße 29 D-71638 Ludwigsburg telefon 07141.38 80 83 telefax 07141.38 80 84 office@gcsc.de www.gcsc.deverantwortlich i.s.d.p.Stephan Jungbeauftragter des herausgebers Rüdiger Pleusauflage13.000 CovermotivDigital Vision – thinkstock.com David huth, verlag/anzeigendruckKunst- und Werbedruck,  Bad OeynhausenDas German Council Magazin  ba siert auf Inf orm ationen,  die wir als zuverlässig  ansehen, eine haftung kann  nicht übernommen werden. Na mentl ich gekennzeichnete  Bei träge müssen nicht die  Meinung der Redaktion  widerspiegeln. Die Redaktion  behält sich die Kürzung  eingesandter Ma nusk ripte  vor. Er füllu ngso rt und  Ge richtss tand ist hamburg.  Nach druck oder sonstige  Repro duktion (auch  auszugsweise) nur mit  Geneh mi gung des  herausg ebers.erscheinungsdatum dieser ausgabe: Juli 2014das nchste german council magazin erscheintimnovember 2014.GERMAN COUNCIL . POwERKraft des grünen KräuterwundersWeil Underberg seit 168 Jahren darauf beharrt, von immer gleicher Qualität (semper idem) zu sein, ist die Marke stark. Ein Markenerlebnis mit Geschäftsführer und Urenkel Emil Underberg über die Kraft von Tradition, Klarheit und kommunikativer Zurückhal- tung.GERMAN COUNCIL . POwERckercoleur. Wir folgen dem Underberg-Reinheitsgebot und nehmen Kräuter aus 43 Ländern, Wasser und hochwertigsten Alkohol – sonst nichts.Unser Ziel ist es, die Besten zu sein. Deshalb stellen wir das Produkt immer wieder aufs Neue so gut her wie kein Zweiter. »Semper idem« – die immergleiche Qualität. Wie beim Tee brauen wir einen Kräuter- sud, der, in Alkohol gelöst, über Monate in Eichenholzfässern reift. »Immergleiche Qualität« heißt übrigens nicht, dass das Rezept seit 168 Jahren unverändert ist. Im Gegenteil. Bereits mein Urgroßvater tüftelte an Verbesserungen, und noch heute liegt uns am Herzen den Kräuterbitter fortwährende weiterzuentwickeln.Der Underberg ist ein Klassiker, das macht ihn zeitlos. Er passt zu je- dem Lebensstil, an jeden Ort der Welt und ist in über 100 Ländern vertreten.RP: Die Unverkennbarkeit der Marke rührt letztlich auch von Ihrem konsequentem Widerstand gegen Nachahme her. Wie kam die An- meldung zum Patent, noch bevor es überhaupt ein Patentamt gab?GCM 3 / 2014  01.07.2014 im Underberg Stammsitz in Rheinberg. Umgeben von Ei- chenmöbeln und schwerer Kunst sitzt uns der 73-jährige Unternehmer im grünen Jackett gegenüber. Wie bei seiner Marke, scheint auch seine Vitalität nicht unter der Zeit zu leiden. »Viele Ihrer Fragen werden sich mit dem Film erledigen«, schickt Emil Underberg unserem Gespräch vorweg. Dann tauchen wir in die bildbegleitete Erzählung ein, wie Ur- großvater Hubert Underberg das alkoholische Kräuterwunder entwi- ckelte und die Marke zu dem wurde, was sie heute ist.Alles beginnt am Hochzeitstag, dem 17. Juni 1846. Hubert ehelichte an diesem Tag seine Katharina, und gemeinsam gründeten sie das nach ihren Nachnamen benannteUnternehmen H. Underberg-Alb-recht in Rheinberg. Mittlerweile wird das Familienerbe in 5. Genera- tion von Emils Tochter Dr. Huberti- ne Underberg-Ruder geführt. Damit ist sie die erste weibliche Thronfol- gerin nach Hubert I, Hubert II, Emil I und Emil II.der erfolgreichsten Werbeaktionen aller Zeiten. Ein Jahr später stürmt der River Kwai March – Colonel Bogey den Gipfel der deut- schen Charts, aber damals ahnt noch keiner im Unternehmen, dass diese Melodie gut achtzehn Jahre später mit »Komm doch mit auf den Underberg!« zum meist gepfiffenen Ohrwurm im Dienst der Marke avanciert.Über all die Zeit blieb die Mixtur des Magenbitters streng gehütetes Familiengeheimnis. Neben Emil II kennen nur seine Frau Christiane, Tochter Hubertine sowie drei Geistliche die mündlich überlieferte Rezeptur. Einmal im Monat treffen sich alle Geheimnisträger im Stammhaus Rheinberg, um den legendären Kräutersud anzusetzen.Bis zu neun Monate reift er an- schließend in 24.000-Liter-Eichen- holzfässern in Kellergewölben des Stammhauses. Bis heute ist Under- berg eine ausschließlich in 20-ml- Fläschchen vertriebene Monomar- ke. Zwei Ausnahmen gibt es aller- dings: Seit 2013 ist die Verdauungs- hilfe auch in zuckerloser und alko-Schon zu Kaisers Zeiten war der Verdauungsschnaps ein Erfolg. Ge- trieben von dem eisernen Willen zu »semper idem« – fortwährend gleiche Qualität – zieht der Firmengründer eine hochprofessionelle Schnapsherstellung samt Vertrieb hoch. Geadelt durch die Ernen- nung zu kaiserlichem und königlichem Hoflieferanten, wird sein Kräuterbitter bereits früh in Nachbarländer exportiert. Die internati- onalen Kontakte knüpft der reisefreudige Unternehmer vor allem auf den Weltausstellungen, die die Firma von Anbeginn 1851 be- sucht. Einer Zufallsbegegnung mit Glasbläsern von Murano ist es zu verdanken, dass bei der Ausstellung 1867 in Paris das stilechte Un- derberg Glas entsteht. Es sticht im wahrsten Sinne hervor, lässt Hu- bert es doch bewusst so anfertigen, dass es alle anderen Gläser auf dem Tisch überragt.Frei nach dem Motto »lieber keinen Underberg als Qualitätskompro- misse« setzt Underberg die Herstellung während der Weltkriege aus. Als 1949 Emil I die Produktion wieder aufnimmt, gibt es Under- berg nur noch in der von ihm entwickelten Portionsflasche. Das aber ist nicht das Einzige, womit dieser Mann Markengeschichte schreibt. Den handlichen Underberg lässt er per Luftschiff, Hubschrauber und Straßenbahnen bewerben. Über zwanzig Jahre später findet sich der Underberg-Zeppelin in einer afrikanischen Briefmarken-Edition zu Meilensteinen der Luftfahrtgeschichte wieder. 1957 gelingt Emil I unter dem Slogan »Täglich Underberg und Du fühlst Dich wohl« eine   GCM 3 / 2014holfreier Bonbonform in der Apotheke erhältlich. Und in Brasilien gibt es den »Brasilberg« in 0,92-l-Flaschen. Den dort als Longdrink gehandelten Kräuterbitter verdankt der südamerikanische Staat Dr. Paul Underberg, dem1932 ausgewanderten Sohn von Hubert II.›Unser Ziel ist es, die Besten zu sein.Deshalb stellen wir das Produkt immer wieder aufs Neue so gut her wie kein Zweiter.‹ Emil Underberg4 Kraft des grünen Kräuterwundersgerman councilVorwort22 Berlin – die Powerstadttitelthema power04 Kraft des grünen Kräuterwunders14 Per Mondscheintarif ins All22 Berlin – die Powerstadt29 Power – German Council Congress 2014Programm und Referentenvorschau 36 Kommentar: Von der Seitenlinie38 Wohl oder Wehe der Worte42 »Gott sei Dank ist wieder Montag!« 46 Digitaler Darwinismus52 Kommenlassen statt hinterherrennen  01chefredaktionthorsten MüllerredaktionsteamRahel Willhardt, Dr. Ruth Vierbuchen,tobias Appelt, Kirstin Oeing, Christina KrögerbezugMitgliederzeitschrift für  Mitglieder des GCSC e. V.GCM-Verlag c/o  Behrens und Behrens Gmbh Geschäftsführer und  Verleger: Ingmar Behrens Dorfstraße 64 24107 Kiel-Ottendorf telefon 0431.66 111 88 11 telefax: 0431.66 111 88 88 www.behrensundbehrens.deDie Schattenseiten des Kräuterwunders sind unzählige Nachahmer, die von Anbeginn das in Packpapier gewickelte Fläschchen nebst In- halt begleiten. Akten von über 1200 Markenrechts-Verfahren lagern mittlerweile im Familienarchiv. Die Historie reicht von plumpen Na- mensvarianten über ungefragtes Markenstretching, z.B. Underberg- Hemden, bis zu mit Grüntönung, Flaschenform oder Packpapier ge- schaffenen Markenassoziationen. Unter den geschlichteten Streitig- keiten finden sich auch solche mit grossen deutschen Handelsunter- nehmen Dass die Versuche, Markenkraft zu kapern, in der Regel zu Gunsten des Originals ausgehen, verdankt Underberg letztlich der Weitsicht des Gründers. Der ließ sein Markendesign 1851 – noch 26 Jahre vor Gründung des Kaiserlichen Patentamtes im Jahre 1877 – beim Handelsgericht in Krefeld schützen.RW: Herr Underberg, Sie haben uns gerade fast 170 Jahre faszinieren- de Markengeschichte präsentiert – wie ist es gelungen, die Kraft des Underbergs über zwei Jahrhundertwenden zu erhalten?Unser Produkt ist einmalig, das ist meine wichtigste Botschaft! Trotz intensiver Suche habe ich nirgendwo auf der Welt etwas Vergleich- bares gefunden. Alle anderen Digestiv beinhalten Zucker oder Zu-   GCM 3 / 2014© Thinkstock.com© Armin Fischer© Thinkstock.com


































































































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